Zehn Jahre ist es an diesem Sonntag her, dass Domenico Lorusso auf unfassbare Weise sein Leben mitten in München verloren hat. Jetzt, zu diesem traurigen Jahrestag, wird die Stadt einmal mehr an das Gesicht des Italieners erinnert. An diesen so sympatisch wirkenden Mann, der auf dem Radweg an der Erhardtstraße erstochen wurde. Am Tatort, der einen immer noch fassungslos zurücklässt, hat das Polizeipräsidium am Freitag eine große Tafel aufgestellt. Darauf ist Domenico zu sehen, fröhlich und winkend. Die Frage „Wer hat mich hier ermordet?“ passt nicht zu dem lachenden Gesicht – und sorgt deshalb für noch mehr Aufmerksamkeit.
Übersehen kann man die drei mal zwei Meter hohe Konstruktion schon aufgrund ihres Ausmaßes wohl kaum. Die Polizei erhofft sich durch die Aktion, vielleicht doch noch den entscheidenden Hinweis zu bekommen. Und endlich den Verantwortlichen für jene Bluttat zu finden, die deutschlandweite Bekanntheit erlangte. Ganz einfach, weil es für Domenicos Tod keinen Grund gab.
So schlimm es klingt: Der Ingenieur scheint einfach im falschen Moment am falschen Ort gewesen zu sein. Am 28. Mai 2013 ist der Italienier um 22 Uhr mit seiner Verlobten vom Gärtnerplatz zur gemeinsamen Wohnung in Haidhausen unterwegs. Auf dem Radlweg an der Erhardtstraße fahren die beiden an einem Mann vorbei, der im Dunkeln unter den Bäumen steht. Aus dem Nichts spuckt dieser Mann die Verlobte an. Domenico Lorusso kehrt um, will den Mann zur Rede stellen. Ein Fehler: Der Unbekannte zieht ein Messer und sticht dem Italiener mitten ins Herz.
Trotz umfangreicher Ermittlungen, bei der 5800 Speichelproben genommen, 64 000 Telefone ausgewertet und 7500 Handybesitzer überprüft werden, bleibt der Mörder unbekannt. Dass er frei herumläuft, bedeutet für Domenicos Familie zusätzliche Pein. Ein Schmerz, der nun schon seit zehn Jahren anhält. NADJA HOFFMANN