Der Münchner CSD ist nach Berlin und Köln der drittgrößte seiner Art in Deutschland. Für die Politparade am 24. Juni sind mehr als 33 000 Menschen in 180 Gruppen angemeldet. Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste), politischer Sprecher des CSD, kann sie nicht anführen: Er hat sich im Urlaub den Oberschenkelhals gebrochen.
Wegen Bauarbeiten am Sendlinger-Tor-Platz erhält der Zug eine neue, längere Strecke. Der Start ist am Mariahilfplatz, danach verläuft die Parade ab 12 Uhr Richtung Müllerstraße und über den Altstadtring zur Oper.
Im Jahr der bayerischen Landtagswahl lautet das Motto „Queerer Aktionsplan Bayern jetzt!“. Bayern sei das einzige Bundesland ohne einen solchen Aktionsplan, dabei sei der längst überfällig, so Kai Kundrath, Geschäftsführer des schwul-queeren Zentrums Sub. Die Forderungen: Beratungsinfrastruktur ausbauen, Polizei sensibilisieren, Lehrpläne überarbeiten und mehr. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) erklärte. „Einmal im Jahr Regenbogenfähnchen zu schwingen, reicht nicht, das hat mit echter Queerpolitik nichts zu tun.“
Die Party-Area beim zweitägigen Straßenfest am 24. und 25. Juni zieht auf den Odeonsplatz um. Die Hauptbühne bleibt am Marienplatz, am Sonntag findet hier gegen 16.20 Uhr das berühmte Pumps-Race statt. Die Community-Bühne steht in der Kaufingerstraße, in der Sendlinger Straße gibt es eine Musikinsel samt Tanzfläche und Gastronomie. Highlight: Der Auftritt von Conchita Wurst. Gefeiert wird auch im Innenhof des Stadtmuseums, auf der Treppe der Staatsoper und beim Rathaus-Clubbing.
Damit sich alle wohlfühlen, sind erstmals Awareness-Teams unterwegs, die bei möglichen Auseinandersetzungen eingreifen sollen. Eine Reaktion auf frühere Konflikte und Übergriffe – nicht nur durch Nicht-Parade-Teilnehmer, sondern offenbar auch innerhalb der Aktiven.
Im Rahmen der Prideweeks findet ab Montag in München ein Begleitprogramm mit Workshops, Führungen, Talks, Partys, Dragshows, Gottesdiensten und mehr statt. Darunter auch die viel diskutierte Drag-Lesung für Kinder in der Bogenhauser Stadtbibliothek. Die CSU sei nicht wegen ihrer Kritik daran für die Parade gesperrt worden, sondern wegen ihres Grundsatzprogramms, stellt CSD-Geschäftsführer Alexander Kluge klar.
„Man kann nicht die queeren Ziele kritisieren und lächerlich machen, aber dann an einer Kundgebung teilnehmen, die für diese Ziele steht.“ Beim Straßenfest, auf dem die CSU jedoch mit einem Infostand vertreten ist, sei dies anders. „Da winkt man nicht nur vom Wagen runter, sondern muss sich der Diskussion mit der queeren Community über die Politik der CSU stellen.“