Karstadt: Mitarbeiter hoffen immer noch

von Redaktion

Minister Aiwanger verhandelt mit Benko

VON ISABEL WINKLBAUER

Die Wut ist spürbar: „Benko heißt er, uns bescheißt er!“ So lautete die beliebteste Losung bei der Karstadt-Kundgebung am Mittwoch in der Schützenstraße. Rund 70 Mitarbeiter der Kaufhausfiliale am Hauptbahnhof kamen zum Streik zusammen, um ein weiteres Mal gegen die Schließung zu protestieren. Am 30. Juni sollen die Türen für immer zugehen, der neue Eigentümer, die Signa-Gruppe des Immobilieninvestors René Benko, hat dann Einträglicheres mit der Immobilie in Bestlage vor.

„Doch wir arbeiten profitabel“, wird Eduard Wölbitsch, Chef des Betriebsrats der Filiale, nicht müde zu sagen. „Es ging bei seiner Galeria-Übernahme von Anfang an nur um die Immobilien. Warum sonst schraubt Benko die Miete für unseren Standort so hoch?“

Mit von der Streik-Partie war Grünen-Bürgermeisterin Katrin Habenschaden. „Im Gegensatz zur SPD kämpft sie mit uns und steht für das Warenhaus ein“, sagt Wölbitsch. Die größte Hoffnung setzt die inzwischen rund 150-köpfige Belegschaft aber auf Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, zudem Chef der Freien Wähler. Der habe diese Woche mit Benko gesprochen, erklärt der Betriebsrats-Chef, und werde auch weiter mit ihm sprechen – und zwar mit einem Angebot des Warenhauses in der Tasche, das Benko vielleicht annehmen könnte. „Das ist unsere letzte Hoffnung“, so Wölbitsch.

Unterdessen mehren sich die Stimmen einer Online-Petition, die Wölbitsch und die Mitarbeiter initiiert haben. Auf der Seite Change.org haben schon etwa 600 Unterstützer für den Erhalt der Karstadt-Filiale am Hauptbahnhof unterschrieben. Angeklickt wurde die Petition aber mehrere tausend Mal – anscheinend haben viele User ihre Stimme noch nicht per E-Mail bestätigt. Für Ältere sei das digitale Unterzeichnen leider ungewohnt, sagt der Betriebsrats-Chef. Aber er bleibt hoffnungsvoll.

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