Am Samstag schiebt sich die Parade des CSD durch die Münchner Innenstadt, bevor es am Sonntag ins große Finale geht. Doch was wäre das Spektakel ohne die quietschbunten, wummernden Wagen? Thorsten Herrmann baut sie seit mehr als 20 Jahren. Der 58-Jährige und seine Firma BB’s Group in Unterschweinbach (Landkreis Fürstenfeldbruck) haben allerhand zu tun. Sechs Wagen steuert er fürs Wochenende bei – drei in Komplettarbeit, für drei liefert er die Technik.
Die 7,5-Tonner von früher gibt es nicht mehr, was Herrmann schade findet. „Vor Corona haben wir von Speditionen ausgemusterte, aber mit TÜV ausgestattete Sattelauflieger für wenig Geld angemietet. Nach der Pandemie gibt es weder die Wagen, noch hätte ich das Personal.“ Zwei Schreiner beschäftigt er, dazu sitzen sein Sohn Thomas und er mit im Boot, beide mit Schwerpunkt Technik.
Der CSD ist eher eine Fingerübung, BB’s Group kann noch ganz anders – von Bühnen für „Wetten, dass..?“ über Riesenevents („Wir können eine Beschallung für bis zu 15 000 Leute bereitstellen“) bis zu Fußball-Meisterfeiern. Und klar hat man alles, was zur Party gehört: Konfetti, Seifenblasen, Laser, hunderte Scheinwerfer.
Auch jenseits der Sattelauflieger hat es der Untergrund für die CSD-Wagen in sich: Als Fahrgestelle kauft Herrmann die größten zulässigen für einen Pkw: die für ein „Tiny House“, ein mobiles kleines Haus. Die Gestelle sind zehn Meter lang, da passt schon einiges drauf,
Für die sechs Wagen brauchen die vier Männer eine knappe Woche. Morgen sind alle fertig, heute werden die Drucke angeliefert, die in Auftrag gegeben wurden. Und das geht so: Herrmann liefert den Auftraggebern, also etwa Münchenstift oder Sub, die Druckvorlagen in der Originalgröße. Die Auftraggeber bestimmen, was draufsoll. Wobei Herrmann auch beratend tätig ist – er weiß, was noch lesbar ist oder wann zu viel auf den Druck gepackt wird.
Über mangelnde Aufträge braucht sich die Firma nicht zu beklagen. „In der Regel fragen die Leute gleich nach dem CSD fürs nächste Jahr an.“ Die Vorplanungen beginnen rund drei Monate vorm Event. „Heuer hätte ich zehn Wägen komplett bauen können, aber dazu habe ich einfach nicht mehr die Leute.“ Ob er nach Corona noch mal richtig loslegen will – wieder mit zehn statt vier Kollegen? „Ich werde wohl nicht mehr das ganz große Rad drehen. Ich gehe es altersgemäß ruhiger an“, sagt Herrmann und lacht.