In einem Monat jährt sich eine Tat, die einen ganzen Stadtteil schockierte. Anfang August 2022 starb ein 21-Jähriger in der Messestadt Riem, nachdem ein Drogengeschäft schiefgelaufen war. Der Täter stach gnadenlos auf den jungen Mann ein. Dieser starb wenig später an seinen Verletzungen. Spätestens seitdem ist klar, dass die Messestadt ein richtiges Problem hat. Eines, das Politik und Behörden vor eine schwierige Aufgabe stellt. Um Präsenz zu zeigen und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in dem jungen, aber schwierigen Viertel zu stärken, startet das Polizeipräsidium nun eine Schwerpunktaktion mit vermehrten Kontrollen: Am 12. und 13. Juli in der Messestadt, am 20. und 24. Juli geht es nach Neuperlach.
Auch dort war es zuletzt zu massiver Gewalt gekommen: Bei einem bewaffneten Raubüberfall attackierten Jugendliche einen 16- und 17-Jährigen. Der Jüngere wurde mit einer Machete schwer verletzt: Die Täter hatten ihm tief in seine Sehnen und Muskeln am Arm geschnitten.
Dass München ein Problem mit Schwerstkriminalität hat, zeigte der Sicherheitsreport, den die Polizei im März veröffentlichte: Demnach stieg die Zahl der Straftaten wie Mord und Raub um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Ein Drittel aller Räuber in München sind inzwischen Jugendliche.
Wie Polizeisprecher Andreas Franken erklärt, sind die Täter, mit denen es die Polizei in der Messestadt Riem zu tun hat, mitunter erst zwölf oder 13 Jahre alt. Dort gibt es gewaltbereite Intensivtäter, die sich wie Gangster aufführen und sich in ihrem Viertel Respekt verschaffen wollen. Drogengeschäfte, Angriffe und Vandalismus gehören so zur Tagesordnung. Wie das alles aussehen kann, hat das Bayerische Fernsehen kürzlich in seinem Politikmagazin „Kontrovers“ gezeigt (siehe Kasten).
Auch am Jahreswechsel eskalierte die Situation in Riem mehrfach. Damals gab es gar Angriffe auf die dortige Polizeiwache. Wie ernst es die Täter meinen, hat die Polizei auch nach dem tödlichen Drogengeschäft zu spüren bekommen. Im Sommer 2022 versuchte ein ganzer Mob, die Verhaftung eines Mannes zu verhindern. „Die Intensität ist etwas, das uns aufhorchen lässt“, sagt Sprecher Franken. Vor Ort will die Polizei das Gespräch mit den Menschen in Riem suchen. Und zeigen, dass sie für das Viertel da ist.