Warum musste unsere Kamilla sterben?

von Redaktion

Am Landgericht München I hat am Montag der Prozess um einen Mord in der Psychiatrie begonnen. Ein psychisch kranker Mann soll eine Mit-Patientin im Mai vergangenen Jahres mit einer Metallstange gequält und mit einem Pullover stranguliert haben. Über seine Anwältin legte der 33 Jahre alte Brasilianer zum Prozessauftakt ein Geständnis ab. Gott habe ihm den Mord aufgetragen, weil die Frau eine Hexe gewesen sei.

Wegen der Gefahr der Eigen- und Fremdgefährdung war der Mann im vergangenen Jahr in die psychiatrische Klinik eingeliefert worden, nur Stunden danach riss er laut Staatsanwaltschaft in seinem Bad die Stange des Duschvorhangs hab und ging damit in das Badezimmer der Patientin, einer 40-jährigen Künstlerin. Zwei Dutzend Mal schlug er der Antragsschrift zufolge auf ihren Kopf ein, bevor er sie mit einem Pullover strangulierte. Danach legte er ein Feuer.

„Mein Mandant räumt ein, hier die Tat begangen zu haben“, sagte Anwältin Birgit Schwerdt und gab sein Motiv so wieder: „Allerdings ist es so, dass er letztendlich im Auftrage Gottes gehandelt hat.“ An Einzelheiten könne der Mann sich nicht mehr erinnern, sagte sie. Aber: „Der Teufel hat ihm über Gott den Auftrag erteilt, die Geschädigte zu töten, da diese eine Hexe sei.“

Als Klinikmitarbeiter in das Zimmer der Getöteten kamen, nachdem wegen des Brandes der Feueralarm ausgelöst worden war, kniete der heute 33-Jährige vor der geschlossenen Badezimmertür auf dem Boden. Dass im Bad, unter zahlreichen Gegenständen versteckt, die Leiche einer Frau lag, entdeckte die Feuerwehr erst später.

Wie konnte es zu dieser Tat kommen? Warum wurde der Mann nicht besser überwacht, obwohl man davon ausging, er könne eine Gefahr auch für andere sein? Diese Fragen stellen die Freunde und Angehörigen der Toten.

Bei dem Opfer handelt es sich um Kamilla N. Wie die Familie auf einer Gedenkseite im Internet schreibt, war sie „mit ihrer Krankheit auf einem guten Weg – sie wollte schon bald in eine freiere betreute Gemeinschaft wechseln“. Kamilla, die das Leben geliebt habe, und der Täter seien sich vor der Tat nie begegnet. „Im Bann dieser Sinnlosigkeit weiterzuleben, ist für uns kaum möglich.“ Vor dem Gericht hielten Eltern, Freunde und Verwandte am Montag eine Mahnwache ab und Fotos der Frau in die Höhe, um Kamilla ein Gesicht, eine Stimme zu geben. „Die Klinik sollte ein Ort der Heilung sein, ein Ort, an dem psychisch kranke Menschen Schutz finden“, heißt es auf der Gedenkseite. „An jenem Morgen wurde zwei Menschen der Schutz jedoch eindeutig verwehrt, unserer arglosen Tochter und dem verwirrten Patienten, der unbemerkt zu ihrem Mörder werden konnte.“  dpa/caz

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