Olaf Zimmermann hat einen klassischen mittelständischen Betrieb. Der Heizungsbauer beschäftigt 26 Mitarbeiter. Die Auftragsbücher seien voll, erzählt der Obermeister der Brancheninnung in München. Vier bis fünf neue Leute könnte er locker einstellen. Allein er findet kein Personal und fragt sich daher: „Wie soll die Energiewende in unserem Land funktionieren?“ Zimmermann ist sich sicher: Ohne ausländische Fachkräfte werde man den Personalmangel nicht beheben können.
Die Akquise sei allerdings schwierig. Ausländische Arbeitskräfte würden häufig bei der Bewältigung der bürokratischen Hürden alleingelassen. Der Unternehmer berichtet von einem Mann aus Südamerika, bei dem es eineinhalb Jahre gedauert habe, ehe er die notwendigen Arbeitspapiere beisammenhatte. Zuvor sei der Peruaner in Italien gewesen, da habe er binnen drei Monaten seine Arbeit aufnehmen können.
Geschichten wie beim Heizungsbetrieb Obermeier im Werksviertel gibt es wohl zuhauf in München. Die Grünen im Stadtrat wollen nun die Eingliederung ausländischer Fachkräfte ins Arbeitsleben erleichtern: mit einem im Kreisverwaltungsreferat angesiedelten Welcome-Center. Dazu hat die Fraktion einen Antrag gestellt – in Absprache mit dem Koalitionspartner SPD, wie Stadträtin Julia Post gestern erklärte. Das Welcome-Center soll eine Anlaufstelle für alle Menschen sein, die neu in München sind oder hierhin ziehen wollen. Und ihnen Hilfe bei Sprachbarrieren oder bei der Jagd durch den Paragrafendschungel leisten, wie Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) sagte. Die Anlaufstelle soll auch einen Kompass für die Erledigung privater Dinge bieten, etwa bei der Wohnungssuche oder einem Kita-Platz. Post: „Oberstes Ziel muss neben der zügigen Eingliederung in den Arbeitsmarkt die soziale Integration sein.“
Bürgermeisterin Habenschaden bezeichnete den Fachkräftemangel als „eine der größten Bedrohungen für unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand“. Bereits jetzt würden vor allem kleine und mittlere Unternehmen in München unter dem „leer gefegten Arbeitsmarkt“ leiden. Die Bundesagentur für Arbeit gehe davon aus, dass in Deutschland pro Jahr eine qualifizierte Zuwanderung von 400 000 Menschen notwendig sei. Auf München übertragen bedeute das eine Zahl von rund 8000. Habenschaden verwies darauf, dass der Fachkräftemangel auch in der Verwaltung angekommen sei. So würden der Stadt 500 Erzieherinnen und Erzieher fehlen. Habenschaden: „Das Welcome-Center ist unsere kommunale Antwort auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz der Bundesregierung.“ Mit dem Gesetz soll die Einwanderung von Fachkräften beschleunigt werden.
Neue Stellen sollen laut Post für das Welcome-Center nicht geschaffen werden. Es gelte, vorhandene Beratungs- und Unterstützungsangebote zu bündeln. Die Grünen sprachen von einer Kultur des Willkommenseins für ausländische Fachkräfte. Zugleich bezeichnete Habenschaden die AfD als „größte Gefahr für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands“. Ralf Suhre, Geschäftsführer der Innung Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik, bezifferte den Bedarf an zusätzlichen Fachkräften in der Branche für München auf mehr als 1000. Eine Schnittstelle wie das Welcome-Center sei im Sinne der Betriebe zu begrüßen, was Zimmermann bestätigte: „So eine Einrichtung brauchen wir dringend.“