Die Kleider, die einst so schön waren, liegen als dreckiger Haufen Stoff am Boden. Die vielen Schuhkartons reihen sich völlig verkohlt im Regal. Von der Decke hängt die abgefackelte Verkleidung herunter. Der Anblick, der sich Noumann Butt bietet, ist verheerend. Fassungslos steht der 56-Jährige am Dienstagmorgen vor den Trümmern seiner Existenz.
„So etwas passiert einem nicht jeden Tag im Leben. Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll“, sagt er. Der Mann hat gerade sein Geschäft „Abendkleider München“ an der Lindwurmstraße nahe dem Sendlinger Tor völlig zerstört vorgefunden. Flammen und Rauch haben alles zunichte gemacht, was sich Butt mit seiner Familie aufgebaut hat. Von dem Brand hatte er nichts mitbekommen, bis ihn seine Hausverwaltung am Dienstagmorgen informierte. Ein Anruf, der das Leben des gebürtigen Pakistaners schlagartig veränderte: „Ich musste mich erst einmal setzen.“
Was genau am Abend passiert ist, lässt sich laut Polizei noch nicht sagen. Eine Zeugin hatte um 22 Uhr den Notruf gewählt. Ihr war im Hinterhof des sechsstöckigen Gebäudes ein Brand im Außenbereich aufgefallen. An der Stelle befinden sich laut Polizei ein Holzgestell und ein Busch. Von dort arbeiteten sich die Flammen rasend schnell nach oben. Bis Feuerwehr und Polizei an der Lindwurmstraße eintrafen, brannte schon die gesamte Fassade.
Aus dem fünften und sechsten Stock konnten sich fünf Anwohner ins Freie retten. Sie wurden von den Einsatzkräften betreut. Im Erdgeschoss richtete das Feuer massiven Schaden im Geschäft von Noumann Butt an. Die 200 Quadratmeter Ladenfläche sind zerstört, genauso wie an die tausend Kleider im Geschäft sowie im Lager. Hinzu kommen hunderte Schuhe. Wie viel Wert das alles hatte, kann der Münchner im ersten Schock noch gar nicht abschätzen. Die Feuerwehr geht von einem Gesamtschaden von mindestens einer halben Million Euro aus.
Zur Brandursache machen die Ermittler der Polizei bislang keine Angaben. Die Butts haben ihre eigenen Gedanken dazu, was an dem verregneten Montag passiert sein könnte. Sohn Samran schließt eine Brandstiftung nicht aus. „Wir haben Gaskartuschen im Garten gefunden.“ Der Hinterhof sei frei zugänglich und werde mit seiner Nähe zum Nußbaumpark gern auch mal als ruhiger Schlafplatz genutzt.
Für den 20-Jährigen Samran war das Familiengeschäft wie ein zweites Zuhause. 2016 wurde es eröffnet und war seitdem für elegante Abendmode bekannt. Bunte Farben, Pailletten oder feine Stoffe – Chic, von dem nichts als Ruß und Asche blieb.