Viel Asphalt, ein graues Denkmal und etliche Autos: Das ist der Blick von der Leopoldstraße aufs Siegestor, wie wir ihn heute kennen. Auf dem großen Bild rechts schmücken dagegen grüne Wiesen, bunte Blumen, ein Spielplatz und ein Café den gleichen Ort. Diesen Anblick könnten wir 2045 genießen, wie ein neues Buch präsentiert. Unsere Zeitung erklärt, wie der 21 Meter hohe Triumphbogen an der Ludwig-Maximilians-Universität das Tor zur Zukunft wird:
Zweieinhalb Jahre haben die drei Autoren Stella Schaller, Lino Zeddies und Ute Scheub mit Grafiker Sebastian Vollmar an dem neuen Buch gearbeitet. In „Zukunftsbilder 2045“ werden Visionen für 17 Städte aus Deutschland, der Schweiz und Österreich entworfen. „Deutschland will 2045 klimaneutral werden. Doch derzeit verdunkeln Klimawandel, Kriege und Katastrophen den Blick in die Zukunft“, sagt Lino Zeddies (32). „Wir wollten dagegen eine Welt zeigen, wie sie sein kann, wenn wir uns um sie kümmern.“
Das heißt für die Autoren: Technologien einsetzen, die heute schon existieren. „Zum Beispiel die Permakultur, mit der vorhandene Fläche wie etwa urbane Dachgärten nachhaltig für die Umwelt genutzt werden“, erklärt Zeddies. „Oder Schwammstädte mit Gärten anlegen, die Regenwasser speichern statt zu kanalisieren.“ Verkehrsberuhigte Zonen, die Superblocks, sollen außerdem für saubere Luft und mehr Aufenthaltsqualität sorgen.
Mit Partnerorganisationen, Stadtverwaltungen und Architekturgrafikern haben die vier Mitglieder der gemeinnützigen Organisation „Reinventing Society“ die Zukunftsmotive entwickelt. „Zwischen zwei und acht Monate dauerte die Erstellung eines Bildes“, erläutert Zeddies. „Dabei haben wir auf bestehende Fotos, etwa von Drohnen, mit 3D-Computermodellen neue Elemente gefügt.“ Und wie viel Geld war für das Mammutprojekt nötig? „Die Gesamtkosten liegen bei etwa 200 000 Euro“, so Ökonom Zeddies. Gefördert wurde das Buch größtenteils durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, aber auch Städte und kleinere Stiftungen hätten sich finanziell beteiligt.
Im Buch ist auch der Marienplatz der Zukunft zu sehen, auf dem es begrünte Häuserfassaden, Biotope und Stadtwäldchen gibt. In den Kapiteln führt die fiktive Journalistin Liliana Morgentau die Leser durch die 17 Städte. An der Leopoldstraße spricht sie beispielsweise mit einem – ebenfalls frei erfundenen – Rentner, der erzählt, dass die Stadt 2028 viele Viertel zur autofreien Zone erklärt habe. Folglich gibt es auf dem Siegestor-Bild nur eine Fahrspur. „Deshalb können in unserer Vision 2045 am Siegestor Kinder spielen“, sagt Zeddies. „So mancher Verzicht, etwa auf das Auto, kann in Zukunft ein Gewinn an Gesundheit, Natur und Lebensqualität sein.“