Müll-Alarm im Englischen Garten

von Redaktion

Feiernde lassen haufenweise Abfall liegen – Mülleimer quellen über

VON JOHANNA KRAUSE

Autoreifen, Einkaufswägen, Sexpuppen, Pizzakartons, alte Klamotten und Bierflaschen: Kaum zu glauben, all das lag schon zurückgelassen im Englischen Garten. Denn in Münchens Grünparadies herrscht längst Müll-Alarm. 250 Tonnen Abfall werden sich heuer ansammeln, schätzt Parkchef Thomas Köster. Vor knapp 30 Jahren waren es noch 40 Tonnen!

Jeden Morgen um sieben Uhr früh sammeln die Mitarbeiter der Schlösser- und Seenverwaltung für drei Stunden den Abfall im Englischen Garten ein: „Insbesondere feiernde Gruppen nach 20 Uhr lassen ihren Müll liegen“, sagt Thomas Köster. Seit 29 Jahren verwaltet er die 376 Hektar große Grünanlage.

Ein Blick in die Statistik zeigt: 2019 waren es bereits 163 Tonnen Abfall. Ein Jahr später stieg die Zahl auf 200 Tonnen. In der Coronazeit kamen sogar 260 Tonnen Abfall zusammen. Derzeit falle in den Sommermonaten eine halbe Tonne pro Tag an, sagt Köster. So viel passt in einen kleinen Bauschuttcontainer. Weil der Abfall immer mehr geworden ist, kümmert sich seit zwei Jahren auch die Firma Parolex GmbH um die Entsorgung im Englischen Garten.

Die bayerische Staatsregierung, die für die Parkanlage zuständig ist, will das Müllproblem jetzt angehen: Am gestrigen Donnerstag hat sie eine Sammelaktion veranstaltet. Staatskanzleichef Florian Herrmann, Umweltminister Thorsten Glauber, Wissenschaftsminister Markus Blume, Kommunalreferentin Kristina Frank und weitere fast 80 Vertreter von Stadt und Landesregierung packten mit an.

Das Ergebnis: erschreckend. Besonders dreckig ist’s im 130 Hektar großen Südteil nahe der Eisbachwelle. 125 Müllcontainer, ergänzt durch zehn grüne Trashkästen (Fassungsvermögen: ein Kubikmeter) stehen dort bereit – und quellen über. Deshalb wünscht sich Wissenschaftsminister Blume zukünftig: Wer feiern kann, lässt keinen Müll liegen.

Für Verwalter Köster ist das Verhalten der Besucher in einem der größten Parks der Welt unverständlich. „Die Rücksicht der Besucher gegenüber dem Landschaftsschutzgebiet mit seiner reichen Artenvielfalt ist wichtig“, sagt er. „Um diesen Ort zu schützen, müssen alle mit anpacken und die vorgesehenen Behälter benutzen.“ Und leicht resigniert fügt er an: „Ich sollte in der Früh vielleicht am Monopteros über Umweltschutz predigen.“

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