Gelegenheit macht Radler

von Redaktion

MATTHIAS KIEFERSAUER

Die Entwicklung des Münchner Straßenverkehrs lässt sich gut erklären anhand des Marienhofs. Das ist dieser Platz hinter dem Münchner Rathaus, der nach einer berühmten Fernsehserie benannt wurde. Dort gab es immer schon Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Selbst Heinrich der Löwe soll sein Rad dort geparkt haben, nachdem er im Jahr 1158 die Brücke bei Unterföhring eingerissen hatte, um die kleine Siedlung „Bei den Mönchen“ in Richtung Weltstadt mit Herz zu „pushen“, wie er damals so schön twitterte. Äh Moment, … jetzt bin ich ein wenig in den Schmarrn hineingeraten… was ich sagen wollte: Fahrradständer gab es immer schon hinter dem Rathaus.

Als ich nach München zog, war am Marienhof Platz für vielleicht 40 Fahrräder in zwei Ständern. Heute stehen da zusätzlich zwei weitere Ständer und eine Art Fahrradregal, das auf zwei Ebenen Platz bietet für Fahrräder. Ich habe die Abstellmöglichkeiten nicht gezählt. Schließlich soll dieser Text noch in diesem Monat erscheinen. Aber ich tippe auf insgesamt 300 Plätze – oder mehr.

Als Viel-Radler finde ich diese Entwicklung grundsätzlich großartig. Doch interessante Feststellung: Die Fahrradständer werden immer mehr, aber sind trotzdem immer voll. Gelegenheit macht Radler, quasi. Auch bei mir in der Straße wurden in den letzten Jahren drei Parklücken dem Autoverkehr entzogen und mit Fahrradständern bestückt. Ich finde dennoch selten einen Abstellplatz für mein Fahrrad. Freilich gibt es Zäune und Schilder, an die ich mein Radl ketten könnte. Aber es ist halt Wahlkampf. Wo ich normalerweise mein Rad parke, grinst jetzt der Söder von einem Plakat herunter. Die Münchner Parkplatznot erreicht eine neue Stufe: Autofahrer und Radler haben urplötzlich die gleichen Sorgen.

Wo parkten eigentlich all diese Fahrräder, bevor die Radlständer aufgestellt wurden? Gibt es irgendwo in München einen Innenhof, in dem sich seitdem die Parksituation entspannt hat? Wie und wo stellen wir zukünftig unsere Fahrräder in der Stadt ab? Und vor allem: Stimmt es, dass die Stadt den Alten Peter sprengen will, um dort ein noch höheres Fahrradparkhaus zu bauen? – Das hat nämlich Heinrich der Löwe getwittert.

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