Wie kommt man günstiger ans Ziel – zum Festpreis oder wie gewohnt mit dem Taxameter? Um das herauszufinden, haben sich zwei Reporterinnen gleichzeitig jeweils vom Hauptbahnhof zur Münchner Freiheit kutschieren lassen. Jessica Martin (18) nahm den konventionellen Weg: Sie stieg am Bahnhofsplatz in ein wartendes Taxi, der Preis wurde mit dem Taxameter berechnet. Daniela Pohl (40) bestellte ein Taxi vor – zum Festpreis.
Wie berichtet, können Fahrgäste in München seit Neuestem zum Pauschalpreis fahren. In der Branche ist die Freude groß. „Diese neue Regelung ist ein Meilenstein für uns“, sagt Thomas Kroker, Vorstand der Taxi München eG. Bereits am Freitag hätten „ein paar hundert Fahrgäste“ das neue Angebot genutzt. „Wir hoffen, dass vor allem die jungen Generationen, die zu anderen Anbietern gewechselt sind, weil die schon vorher Pauschalpreise hatten, wieder zurück ins Taxi finden.“
Um zum Festpreis fahren zu können, muss man das Taxi telefonisch oder via App bestellen. Daniela griff zum Telefon und bestellte für 11.30 Uhr ein Taxi zum Hauptbahnhof. Von da zur Münchner Freiheit? 20 Euro fix, so der Mitarbeiter der Taxi-Zentrale. Wie sich dieser Preis berechne? „Das geht automatisch“, sagt der Mitarbeiter.
Kroker erklärt: „Die Berechnungsgrundlage für den vereinbarten Festpreis ist die Wegstrecke multipliziert mit dem aktuellen Kilometerpreis von 2,30 Euro, plus die Grundgebühr von 5,50 Euro.“ Für die Festpreise gelte ein Tarifkorridor: „Der vereinbarte Festpreis darf höchstens 20 Prozent nach oben und fünf Prozent nach unten von dieser Bezugsgröße abweichen.“ Wie groß die Abweichung ist, hängt allein von der Verkehrslage ab. „Die Range deckt nichts anderes ab als die verkehrsbedingte Wartezeit.“ Im Berufsverkehr kostet eine Fahrt deshalb mehr als nachts auf freien Straßen – wie sonst auch. Der Computer kennt die erwartete Verkehrslage und berechnet so den Preis.
Zurück zum Hauptbahnhof. Jessica Martin steigt um 11.30 Uhr in ein Taxi: „Die Grundgebühr von 5,50 Euro ist schon eingestellt. Wir fahren Richtung Norden. Während unserer Fahrt klettert die Preisanzeige im 20-Cent-Takt nach oben.“ Und bei Daniela Pohl? „Ich lehne mich zurück: 20 Euro sind fix.“ Das Taxameter läuft trotzdem: Der Fahrer müsse es noch umrüsten lassen, damit es den Festpreis anzeige, sagt er.
An ihrem Ziel, der Münchner Freiheit, angekommen, bezahlt Daniela Pohl die vereinbarten 20 Euro. Jessica Martins Fahrt kostet 20,50 Euro – also fast kein Unterschied. Kroker sagt über die ersten Erfahrungen: „Am Freitag waren die Festpreisfahrten im Schnitt ein paar Cent günstiger.“ Es sei aber noch zu früh, um Bilanz zu ziehen. Ob die Taxler mit dem neuen Angebot Konkurrenten wie Uber zurückdrängen können, bleibt abzuwarten. Am Freitag war über die Uber-App ein Angebot für knapp 15 Euro für unsere Teststrecke zu finden.