Mit sogenannten Schockanrufen soll er gut 50 000 Euro von älteren Menschen erbeutet haben – jetzt muss sich ein 43-jähriger Pole vor dem Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen mehrfachen Betrugs angeklagt.
Mariusz P. war laut Anklage Teil einer Bande, die im November vergangenen Jahres mit einer Telefonmasche Druck auf Opfer aufbaute und sie zur Herausgabe von Geld drängte. Laut Staatsanwaltschaft operierte die Gruppe hauptsächlich von Polen aus und nahm in sieben Fällen Menschen aus Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland ins Visier. Vier der Geschädigten leben in der Landeshauptstadt München.
„Mit ihm alleine sitzt nicht der Richtige auf der Anklagebank“, erklärte Verteidiger Claus Erhard am Freitag. Der Angeklagte habe sich über ein Jobportal in Polen erfolgreich auf eine Kurierfahrer-Tätigkeit beworben und wurde sogar mit Arbeitsvertrag angestellt. Er sei aber nur „Empfänger von Anweisungen gewesen. „Eigene Entscheidungen konnte er nicht treffen.“
Zur Tatbeteiligung gab es auch vom Angeklagten kein Geständnis. Mariusz P. sagte vor Gericht: „Die Tatsachen kann ich nicht leugnen, sondern nur meine eigene Dummheit eingestehen. Die Aufträge meiner Arbeitgeber habe ich befolgt. Ich wusste nicht, dass es Kriminelle sind.“ In zwei Fällen übergaben die Opfer ihm Bargeld, in fünf weiteren scheiterte die Betrugsaktion. Der 43-Jährige war der Staatsanwaltschaft zufolge als Geldabholer tätig oder fungierte als Mittelsmann für den Transport der Beute. ANDREAS THIEME