Trauer um Tierpflegerin

von Redaktion

Tödliche Nashorn-Attacke in Salzburg: Zoo-Chefin spricht

Salzburg – Sie haben sich durch die Tiere kennen und lieben gelernt, gaben sich erst Anfang des Jahres das Ja-Wort. Jetzt ist ihr Glück durch ein Tier unwiederbringlich zerstört. Wie berichtet, kam die Tierpflegerin Juliana K. (33) bei einer Attacke durch Nashorn-Kuh Yeti am Dienstag im Salzburger Zoo zu Tode. Ihr Mann Christopher K. (34), ebenfalls Tierpfleger, erlitt bei dem Versuch, sie zu retten, einen Oberschenkelbruch.

„Der gestrige Tag ist für uns wie in Trance verlaufen“, sagte Zoo-Geschäftsführerin Sabine Grebner am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im österreichischen Anif. „Wir haben im Zoo eine Gedenkstätte eingerichtet, wo sich die Mitarbeiter verabschieden und eine Kerze anzünden können.“ Auch die Nashörner seien irritiert von der Situation gewesen und am Abend nicht in ihren Stall gegangen.

Wie es zu dem Drama kam, wird womöglich nie ganz geklärt. Fakt ist: Juliana rieb die 1,8 Tonnen schwere Nashorn-Kuh um kurz vor 7 Uhr morgens im Nashorn-Haus mit einem Insektenstift ein. Kollegen beschreiben die gebürtige Münchnerin als sehr erfahren und vorsichtig im Umgang mit den Tieren. Zwischen der zierlichen Frau und dem Tier seien schwere Betonpoller aufgestellt gewesen. Die Mitarbeiterin habe die Barriere nicht übertreten. Sie sei aber im Bereich des Nashorns gefunden worden –mit schweren Verletzungen am Brustkorb. Es könne durchaus sein, dass sie durch das Horn des Tieres in das Gehege hineingezogen worden sei. Ob sie aufgespießt wurde – unklar: Es gibt keine Kameras im Gehege.

Über die Geschehnisse im Innenbereich des Nashornhauses könne auch der Ehemann nichts sagen, teilt der Zoo mit. Der 34-Jährige sei erfolgreich operiert und bei Bewusstsein. „Ihm geht es den Umständen entsprechend gut, er kann sich erinnern und weiß auch, dass seine Frau verstorben ist“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Zoos, Josef Schöchl.

Juliane hatte ihren Mann im Zoo vor drei Jahren kennengelernt und erst im vergangenen Februar geheiratet. Zuvor arbeitete sie im Münchner Tierpark Hellabrunn und wirkte auch in der Fernsehserie „Nashorn, Zebra & Co.“ mit. „Die Tierpflegerin war sehr besonnen und hat immer zu 100 Prozent jedes Risiko vermieden. Ich bin sicher, dass sie alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten hat. Wenn aber ein Tier von 1,8 Tonnen auf eine zarte Frau von 50 Kilo trifft, dann geht das katastrophal aus“, sagte Grebner.

Der Zoo soll am Freitag wieder öffnen, das Nashorn-Haus sei aber weiter geschlossen. Die 30 Jahre alte Yeti soll vorerst in Salzburg bleiben. Die Tötung sei keine Option. „Nashörner sind stark vom Aussterben bedroht. Sollten Tierpfleger sagen, sie können nicht mehr mit Yeti arbeiten, dann würden wir einen Platz in einem anderen Zoo suchen“, so Grebner. D. POHL

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