Sehr interessant, wie unterschiedlich Städte in aller Welt sich für die Herausforderungen der Zukunft wappnen. Berlin zum Beispiel hat im Sommer mal das Szenario durchgespielt, wie es wäre, wenn Löwen einmal bei uns so selbstverständlich leben wie Eichhörnchen. Hamburg hat seine Deiche gegen Sturmfluten und ist gerüstet für wildes Wetter. Jetzt ist klar, worauf uns München in all den vergangenen Jahrzehnten vorbereitet hat: auf die „Shrinkflation“.
Dieses Wort ist total angesagt und sollte unbedingt zu Ihrem Angeberwortschatz gehören. „Shrinkflation“ bedeutet, dass zwar formell der Joghurt, die Gummibärchen, die Chips noch das Gleiche kosten, aber die Packung schrumpft. Also für 1,99 Euro kriegt man nicht mehr 200 Gramm sondern 170 Gramm. Viele Deutsche schauen jetzt mit dem Ofenrohr ins Gebirge, weil sie völlig ungeübt im Umgang mit solchen Spielchen sind. Wir in München haben da einen großen Vorteil: Wir kennen Shrinkflation seit Jahren von der Wiesn.
Die „Shrinkflation“ gehört mindestens genauso zur Wiesn wie die Krinoline, immerhin erfreuen wir uns Jahr für Jahr an Bier, das in einem Literkrug verkauft wird, aber in Wirklichkeit sagen wir: nicht immer und zu jeder Uhrzeit und in jedem Zelt befindet sich auch wirklich ein Liter in jedem Krug: Für den Bierausschank wurde der Begriff „Pi mal Daumen“ geradezu erfunden. „Moment“, würde mir hier jetzt mein Kumpel F. sagen, der im Augustiner noch 15 Tage lang den Wechsel in die Fässer treibt. „Bei mir ist immer ein Liter drin“, hat er mir schon letztes Jahr geschworen und wie er da stand mit dem Schlegel in der Hand, habe ich auch nicht widersprochen. Und lieber 900 Milliliter von Kumpel F. als genau ein Liter automatisch abgezapft aus einem Edelstahltank.
Und klar, man kann auch sparen. Zwei Möglichkeiten: Man kann es so machen wie mein Freund R.: Wenn sich seine Mass dem Norgerl nähert, bestellt er sich eine neue und schüttet den Rest des alten ins neue Bier. Für mich jedes Mal ein Schockmoment, aber auch: gelebte Diversität – auch solche Menschen haben auf der Wiesn ihren Platz. Oder, zweiter Spartipp: Bei schönem Wetter in die Sonne im Biergarten setzen. Eine Altweibersommer-Sonnen-Mass wirkt für 15 Euro so wie drei. Und fünf Euro für die Mass sind ja dann wieder ein wirklich guter Preis.
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