Bargeldlos mit Hindernissen

von Redaktion

Kartenzahlung auf dem Oktoberfest – man stößt aber gerade in den Zelten an Grenzen

VON NINA BAUTZ

Nur Bares ist Wahres: Das war lange das Motto auf der Wiesn. Für viele unverständlich – widerspricht das doch dem allgemeinen Trend. Mittlerweile aber, auch durch Corona, ist die Kartenzahlung auch auf dem Oktoberfest im Kommen: Weit über 200 Betriebe bieten sie an. Allerdings gibt es einige Hürden, die die Entwicklung erschweren.

„Rund die Hälfte aller Fahrgeschäfte und Buden bieten mittlerweile auch Kartenzahlung an – ich auch“, sagt Peter Bausch, Sprecher der Schausteller und Betreiber des „Top Spin Nr. 1“. Aber: Eine Garantie für Kunden, letztendlich auch elektronisch zahlen zu können, gebe es nicht. „Es hapert an den technischen Möglichkeiten. Einen Festnetzanschluss für diese kurze Zeit können sich die Schausteller oft nicht leisten. Also läuft die Zahlung übers Mobilfunknetz – und das streikt ja bekanntlich mal, wenn viele Besucher auf dem Gelände sind…“

Auch in den Zelten ist größtenteils elektronische Zahlung möglich. Allerdings geht das selten auf direktem Weg. Denn es sei kaum möglich, die Bedienungen alle mit Kartenlesegeräten auszurüsten, heißt es von den meisten Wirten. „Da müsste ich ja 240 Geräte anschaffen“, sagt Wirtesprecher Christian Schottenhamel. „Außerdem: Wie und wo sollen die Bedienungen die Geräte im Gedränge tragen?!“ In seinem Zelt hat er ein neuartiges System eingeführt. „Die Bedienungen tragen einen Chip mit QR-Code an der Kleidung. Den Code kann der Gast mit dem Handy direkt am Tisch scannen und dann bargeldlos zahlen.“ Weil aber die Wiesngäste gewohnt sein, bar zu zahlen, sei das vergangenes Jahr in der Testphase nur spärlich angenommen worden, sagt Schottenhamel. „Ich denke aber, dass sich das heuer ändert.“

In vielen anderen Zelten muss der Gast für die Kartenzahlung aufstehen und gemeinsam mit der Bedienung entweder ins Büro, zur Kasse oder zu speziellen Terminals gehen. Da die viel beschäftigten Servicekräfte aus Zeitgründen aber nicht ständig zur Bezahlung jeder einzelnen Mass quer durchs Zelt rennen können, hat sich bei vielen Wirten eingebürgert, dass vorrangig große Rechnungen von reservierten Tischen per Karte gezahlt werden können. „Ein klassisches Beispiel ist, dass der Chef einer Firma, nachdem die Gutscheine aufgebraucht sind, den Restbetrag für den Tisch oder die Tische seiner Mitarbeiter am Ende mit Karte bezahlt“, erklärt Stephanie Spendler vom Löwenbräuzelt.

Bares hat also auf der Wiesn trotz Digitalisierung noch längst nicht ausgedient. So wird es auch dieses Jahr wieder Schlangen an den Geldautomaten auf dem Festgelände geben. Bargeld abgeben kann der Besucher zum Beispiel gleich am Haupteingang, an der U-Bahnstation Theresienwiese, an der Bavaria, am Eingang zur Oidn Wiesn, am Eingang von der Mozartstraße kommend, am Familienplatzl sowie an den Hintereingängen vom Löwenbräufestzelt, der Bräurosl, dem Augustinerzelt und der Ochsenbraterei. Viele Zelte haben zusätzlich eigene Automaten im Inneren: etwa das Hofbräu-, das Löwenbräu-, das Wein- oder das Schottenhamelzelt.

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