Die Bühne ist unser Leben

von Redaktion

500 Gäste zelebrieren ein Dinner in der Bayerischen Staatsoper

VON MARIA ZSOLNAY

Ein Elfentanz zum Champagner-Empfang, fantastische Sommernachtsträume zum getrüffelten Vorspeisen-Süppchen und zum Hauptgang glühende Liebesarien aus Carmen, gesungen von einem Weltstar vor einem Publikum, das, elegant gekleidet in Smoking und glitzerndem Abendkleid, gewillt ist, sich zu amüsieren. „Wie viel sinnliche Schönheit verträgt mein Publikum?“, scheint sich Staatsintendant Serge Dorny vorher gefragt zu haben – und verzaubert am Montagabend seine Gäste mit einem spektakulär schönen Abend.

Auch der gebürtige Belgier Dorny trägt die Tradition des Bühnendinners weiter, ein mehrgängiges Menü für handverlesenes Publikum auf der Bühne mit Blick in den leeren Zuschauerraum. Und mittendrin: die Künstler, wie Star-Bass-Bariton Erwin Schrott (Ex-Mann von Anna Netrebko), Tänzer des Bayerischen Staatsballetts und Nachwuchstalente des Opernstudios.

Jedes Jahr zu Beginn der neuen Spielzeit zelebriert das Nationaltheater sein handverlesenes Publikum, das viel für die Bayerische Staatsoper tut, sprich kräftig sponsert. Eine Karte zum Dinner kostet 430 Euro, viele, wie Unternehmer Bernhard Frohwitter, kaufen ganze Tische, die es für 15 000 bis 25 000 Euro gibt. Und keiner sagt ab: „Es ist der einzige Termin während der Wiesn, den ich wahrnehme“, so Juwelier Manfred Hilscher. „Denn das Bühnendinner ist einmalig und fasziniert sogar mich, der jetzt kein großer Kenner der Oper ist.“

Ach, die Wiesn… Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume hatte bei seinem Wechsel von Masskrug zu Musentempel nicht einmal Zeit zum Umziehen, weshalb er in kurzer Lederhose und Trachtenjanker seine Begrüßungsrede hielt. Nicht ohne an die legendäre Szene aus Monaco Franze zu erinnern, wo Helmut Fischer bayerisch-derb über die Inszenierung lästert und damit die bessere Gesellschaft düpiert.

Damit die Kunst eben nicht nur einem elitären Zirkel vorbehalten bleibe und jeder das „kulturelle Flaggschiff des Freistaats“, so Blume, kennenlernen kann, braucht es Ideen wie von Dorny. „Der Erlös des Abends geht an unser Programm für Kinder und junge Erwachsene.“ Eigene Vorstellungen, Workshops und Konzerte soll die Jugend und Familien für Oper und Ballett begeistern. „Denn Kunst kann uns die Welt anders sehen, hören und fühlen lassen“, schwärmt Dorny, der seinen Künstlern für diesen Abend einen Auftrag mitgegeben hat: „in eine Märchen- und Zauberwelt zu entführen“.

In dieses Reich zwischen Tag und Traum ließ sich auch Herzog Franz von Bayern (90) bitten, der bei kaum einer Premiere im Nationaltheater fehlt. Doch keine Aufführung ist so besonders wie das Bühnendinner: „An diesem Abend geht mir immer das Herz auf“, schwärmt er. Er und sein Lebensgefährte Thomas Greinwald lieben den Perspektivenwechsel: „Man sitzt auf der Bühne und blickt in den Zuschauerraum.“ Gerade waren beide noch auf der Wiesn, jetzt schon wieder in der Oper: Thomas Greinwald meint: „Der Herzog hat sehr viel Energie, ich bin bei uns derjenige, der ein wenig bremst.“

Besonders berührt ist Christian Neureuther von dem Zauber des Abends. „Ich war schon einmal hier, mit Rosi. So ein Abend ist ein Geschenk.“ Die Erinnerung an diese besonderen Stunden mit seiner verstorbenen Ehefrau Rosi Mittermeier werden wieder wach. Neureuther drückt die Hand seiner Schwiegertochter. Miriam ist zum ersten Mal dabei. „Felix passt heute auf die Kinder auf, ich habe heute Ausgang.“

Ebenfalls beim Bühnendinner dabei waren: Sunny und Florian Randlkofer von Dallmayr. Sie ließen gebeizten Lachs mit Quinoa, getrüffelten Sellerie-Cappuccino, bayrisches Angus-Rind und Pfirsichmousse servieren.

Auch dabei: Unternehmer und großzügiger Opern-Unterstützer Robert Hübner mit Ehefrau Nicky, Unternehmerin Traudi Kustermann, die sich jetzt wieder verstärkt ihrem Wirtshaus Alter Wirt in Forstenried widmet und weiß: „Ich habe kein einziges Bühnendinner ausgelassen.“ Das Dirndl mit dem Abendkleid vertauschten Unternehmerin Claudia Gugger-Bessinger, Evi Brandl (VinzenzMurr), Peppi und Angela Inselkammer, die am Vormittag Gast bei Regine Sixts Damenwiesn waren. Auf der Bühne standen unter anderem die Mezzosopranistin Aigul Akhmetshina, über die Dorny schwärmt: „Den Namen muss man sich merken.“

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