Reduziert. Dieses Wort steht über dem Angebot der Maklerfirma Immo8 für eine Wohnung in Perlach. Nahe dem Hachinger Bach liegt die 80 Quadratmeter große Bleibe – und kostet 819 000 Euro. Mit Rabatt. Denn ursprünglich sollte die Wohnung einmal für 899 000 Euro den Besitzer wechseln – satte 80 000 Euro mehr. Doch das kann sich heute kaum noch einer leisten. „Die hohen Zinsen sind der Grund, dass die Kaufanfragen stark zurückgehen“, sagt die zuständige Maklerin Rosemarie Raster von Immo8.
Auf vielen Maklerportalen findet man derzeit Wohnungen mit reduziertem Kaufpreis – unter anderem in Obermenzing. Oder in Aubing: Dort steht eine Dachgeschosswohnung mit Balkon in zentraler Lage zum Verkauf. 54 Quadratmeter groß. „Kaufpreis reduziert!“, steht groß über dem Inserat. 360 000 Euro kostet die Wohnung nun, ursprünglich wollte der Eigentümer 390 000 Euro. Um 30 000 Euro ging der Kaufpreis also runter. Der Grund: „Die Nachfrage war beim Ursprungspreis zu gering“, sagt Janik Windisch von Windisch Immobilien. Das Unternehmen bietet die Wohnung an. Immer wieder müsse man Preise nach unten anpassen. „Doch selbst dann ist es noch kein Selbstläufer“, so Windisch.
„Momentan wird offensiv mit Reduzierungen geworben“, berichtet Thomas Aigner, Chef der Firma Aigner Immobilien. Auch er sieht den hohen Zinssatz als einen Hauptgrund dafür. Allerdings gibt’s Nachlässe nicht nach dem Gießkannenprinzip. „Die Preise fallen nicht auf gesamter Linie ins Bodenlose.“ Es werde aber wieder genauer differenziert. Preissteigerungen unabhängig von Lage oder Zustand der Immobilie gehören nach Aigners Ansicht der Vergangenheit an. Eine Entwicklung, die er als gesund bezeichnet. Er spricht von „normalen Verhältnissen“.
Zu sehen ist das auch an der Entwicklung der Immobilienpreise in München. Laut der Online-Plattform Statista lag der Quadratmeterpreis im zweiten Quartal des Jahres bei durchschnittlich 8017 Euro – immer noch ein Irrsinnspreis, aber doch so niedrig wie seit dem dritten Quartal 2020 (8009 Euro) nicht mehr. Der Höchststand war 2002 erreicht – mit 9381 Euro pro Quadratmeter.
Im Umland ist der gleiche Trend zu beobachten: Ganze 150 000 Euro billiger als zuvor ist ein Haus in Neuried (Landkreis München). Jetzt kostet es noch 1,99 Millionen Euro. Der Käufer erhält dafür ein voll saniertes Haus mit Garten, Sauna und Whirlpool. Grundstücksfläche: 470 Quadratmeter. Der angedachte Preis sei nicht mehr drin gewesen, sagt Makler Andreas Hoffmann aus München. „Die Zeiten haben sich geändert.“ Die sehr hohen Preise, wie sie noch vor den Zinssprüngen möglich waren, seien im Umland nicht mehr zu erreichen.