Haus-und-Grund-Chef Stürzer: „Das ist doch alles heiße Luft“

von Redaktion

In Berlin tagte gestern der Baugipfel im Kanzleramt und debattierte über Lösungen aus der Baukrise. Das sagt Rudolf Stürzer, Vorsitzender des Verbandes Haus und Grund München, dazu:

• Herr Stürzer, der Verband Haus und Grund nimmt an dem Gipfel im Kanzleramt bewusst nicht teil. Wieso?

Weil uns klar war: Da kommt wieder nichts als heiße Luft heraus. Es ist eine Veranstaltung, wo es um viel Kleinklein geht, aber nicht um die wirklich wichtigen, großen Schritte. Außerdem ist das natürlich Wahlkampf. • Was sind die wirklich wichtigen Dinge, die angegangen werden müssten?

Es gibt zwei Kernprobleme, die schuld daran sind, dass der Bau stillsteht. Explodierende Baukosten und stark gestiegene Zinsen. Letzterem könnte man nur über günstige KfW-Darlehen entgegenwirken: Damit könnte der Staat dem Bauherrn unter die Arme greifen. Die hohen Baupreise sind nicht mehr nur mit der Materialverknappung und der Ukrainekrise zu entschuldigen. Auch die hohen Baustandards treiben die Kosten in die Höhe. Sie müssen wieder niedriger werden. Wir haben Berechnungen angestellt, dass bei den derzeitigen Zinsen und Baukosten der Vermieter eines Neubaus 40 Euro pro Quadratmeter Miete verlangen müsste – allein um kostendeckend zu sein. • Offenbar will die Regierung den angestrebten Energiesparstandard EH40 nun nicht mehr anpeilen…

Das glaube ich erst, wenn es beschlossen ist. • Kredithöchstbeträge beim zu versteuernden Einkommen sollen nun von 60 0000 auf 90 000 Euro angehoben werden, um Familien den Kauf vom Wohneigentum zu erleichtern.

Die Einkommensgrenze ist für Münchner Verhältnisse immer noch viel zu gering. Sie müsste bei weit über 100 000 Euro liegen. Sonst werden Menschen gefördert, die sich sowieso niemals ein Wohneigentum leisten können. • Was müsste sich noch ändern?

Man sollte darüber nachdenken, für junge Familien auf die Grunderwerbsteuer zu verzichten. Die liegt in Bayern zwar mit 3,5 Prozent noch relativ niedrig. Aber bei den Münchner Preisen sind 3,5 Prozent sehr viel Geld. Das würde Familien helfen und den Bau ankurbeln. • Was wäre sonst die Folge?

Die Mieten werden immer weiter steigen. Realistisch ist: jährlich um fünf oder sechs Prozent. Damit wären wir bis 2030 bei im Schnitt 30 bis 40 Prozent höheren Mieten als jetzt. Interview: Andrea Stinglwagner

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