Kampf gegen den Kollaps

von Redaktion

VON DANIELA POHL UND ANDREA STINGLWAGNER

2021 schrieb Antonia Cruel ihre Masterarbeit über das „ungeahnte Potenzial“, das in München schlummere. Rund 980 400 Quadratmeter Büroflächen stünden leer, errechnete sie als Studentin. So viel, dass man theoretisch in München Wohnraum für 25 138 Menschen schaffen könnte.

Und heute steht noch mehr leer: Nach Erhebungen des Immobilienberaters Colliers sind in der Landeshauptstadt Ende 2022 im Großraum München 1,32 Millionen Quadratmeter an Gewerbeflächen ungenutzt. Natürlich können nicht in jede verwaiste Bürolandschaft Mieter einziehen, sagt die Architekturdesignerin Cruel. Aber: „Ohne eine kommunale Erkenntnis davon, welche Flächen überhaupt leer stehen, kann man keine Strategie zur Umnutzung erstellen.“ Sie betont: „Leerstand kostet Geld.“ Wie viel, das hat die 29-Jährige im Auftrag von Teamwerk Architekten für die Stadtteile Sendling, Obersendling und Sendling-Westpark im Mai hochgerechnet: Für 163 345 Quadratmeter dort angebotener Bürofläche (Leerstand) zu einem durchschnittlichen Mietpreis von 19,94 Euro ergebe sich multipliziert ein Mieteinnahmen-Verlust von über 3,2 Millionen Euro – im Monat.

Schon jetzt hinkt München seinen Vorgaben beim Wohnungsbau hinterher. In den den vergangenen sechs Jahren sind 46 400 neue Wohnungen entstanden – knapp 5000 Wohnungen weniger, als die Stadt sich zum Ziel gesetzt hatte.

Stephan Kippes, Chef des IVD-Marktforschungsinstituts, mutmaßt, dass durch den Rückgang der Baugenehmigungen der „ohnehin hohe Nachfrage- und Preisdruck an den Mietmärkten weiter angetrieben“ werde. Das befürchtet man auch beim Mieterverein München. „Wir gehen davon aus, dass die Mietpreise auf jeden Fall auf dem derzeitigen sehr hohen Niveau bleiben und wahrscheinlich noch mal steigen“, so die Vorsitzende des Mietervereins, Beatrix Zurek. „Wichtig wäre es, nun Instrumente wie einen bundesweiten Mietenstopp endlich einzusetzen.“

Bei einem Bau-Gipfel, der gestern in Berlin stattfand, wurden 14 Vorhaben beschlossen, um die Bautätigkeit anzukurbeln. In den nächsten zwei Jahren will der Bund etwa ein Programm für den Kauf sanierungsbedürftiger Häuser schaffen. Bei Bauvorhaben soll es zudem Steuervorteile durch besondere Abschreibungsregeln, die Afa, geben.

Artikel 6 von 6