München – Die Lage an den Kindertagesstätten ist angespannt. Der Fachkräftemangel macht auch vor den Münchner Einrichtungen nicht Halt. Mit wöchentlichen Mahnwachen unter dem Motto „Es donnert in den Kitas – Kinder und Beschäftigte gefährdet!“ wollen Erzieher auf den Notstand aufmerksam machen.
„So kann es nicht weitergehen“, sagt Martina Meyer (58), Vorsitzende der ver.di Landesfachgruppe Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit. Es werde durch den Personalmangel immer schwieriger, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu erfüllen. „Wir können die Bedürfnisse der Eltern und der Kinder gar nicht mehr erfüllen“, sagt Meyer verzweifelt. Das System müsse stabilisiert werden. „Für alles gibt es in der Politik Gipfel, aber nicht für die Kinderbetreuung.“ Kinderbetreuung müsse zur Chefsache erklärt und der Beruf endlich wieder attraktiver gemacht werden.
„Wir sind total überlastet und so ausgedünnt, dass eigentlich keiner krank werden darf“, sagt Christine Hundseder (63), die bis vor Kurzem in der Kindertagesstätte Grafinger Straße gearbeitet hat. Tatsächlich fallen Mitarbeiter zuletzt immer öfter wegen Krankheit aus.
Wenn gleich mehrere Kollegen kurzfristig krank waren, musste sie eine Kindergruppe an manchen Tagen sogar komplett alleine betreuen. „Wenn es blöd läuft, hat man bis zu 40 Kinder alleine. Da kommt dann so ziemlich alles auf einmal zusammen.“ Die Vorgesetzten würden sich zwar die größte Mühe geben, die Lücken zu füllen, könnten aber auch keine Wunder bewirken.
„Es ist leider oft nur eine Kinderaufbewahrung und keine Kinderbetreuung mehr“, bemängelt Hundseder. Beschäftigte bräuchten vor allem mehr Wertschätzung und Anerkennung.
Frank Rippstein (42) ist der Beruf zu viel geworden. „Die ganzen Alltagshürden waren mir einfach zu hoch“, gesteht er offen. „Man hat für viele Dinge keine Zeit mehr.“ Wegen der dünnen Personaldecke sei es etwa kaum noch möglich, Fortbildungen zu besuchen. „Der Beruf braucht einfach bessere Rahmenbedingungen“, sagt Rippstein. Konkret meint er damit: „Mehr Personal, kleinere Gruppen und mehr Regeneration.“ VINZENT FISCHER