München – In Handschellen werden die beiden Angeklagten in den Sitzungssaal des Münchner Landgerichts geführt. Es ist – nach einer coronabedingten Unterbrechung – Tag 2 im Prozess gegen die Politikertochter Andrea Tandler und ihres Kompagnons Darius N. Beide haben etliche Millionen Euro am Verkauf von Masken und anderen Desinfektionsartikeln zu Beginn der Corona-Pandemie verdient, beide sind wegen vielfachen Steuerbetrugs in Millionenhöhe angeklagt, es drohen lange Haftstrafen. Schon seit Januar sitzen die beiden Angeklagten in Untersuchungshaft.
Doch zwei wichtige Zeugen werden dem Gericht durch die Lappen gehen. Ihre Geschäfte wickelten Tandler und N. mit der Firma Emix Trading GmbH mit Sitz in der Schweiz ab. Emix besorgte die Masken, Tandler und N. sorgten für Absatzpartner.
Der Plan des Gerichts, die Emix-Geschäftsführer zu vernehmen, ist nun gescheitert. Die Schweizer weigern sich einfach, zum Prozess zu erscheinen. Schriftlich teilten sie der Münchner Justiz mit, dass sie „an der Befragung vor dem Landgericht München nicht teilnehmen werden“. Gezwungen werden können sie nicht – es gibt keine diesbezüglichen Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz.
So vernahm das Gericht am Donnerstag zunächst zwei Zeugen, die eher Randfiguren des Masken-Millionendeals sind. Eine Angestellte des Generalkonsulats der Vereinigten Arabischen Emirate hatten die Angeklagten im jahr 2020 konsultiert, weil sie sich Absatzpartner im arabischen Raum erhofften. Doch außer einem Gespräch vor der Tür („ein paar Minuten nur“) kam nichts zustande. Ein zweiter Geschäftspartner mit Kontakten nach China sollte weitere Bezugsquellen für Masken öffnen und im Auftrag von Tandlers Firma Pfennigturm Absatzmärkte erschließen. Auch das zerschlug sich aber. Der Prozess soll heute fortgesetzt werden. dw