711 Schwerverletzte und 13 Tote – das ist die traurige Bilanz von Unfällen zwischen Fußgängern und Radfahrern in Deutschland vergangenes Jahr. Wohlgemerkt: ohne dass Autofahrer daran beteiligt waren. Besonders Fußgänger werden dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit verletzt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unfallforscher der Versicherer, die jetzt vorgestellt wurde.
Studienautor Siegfried Brockmann geht davon aus, dass sich die Zahl dieser Unfälle in den kommenden Jahren weiter dynamisch nach oben entwickeln wird. „Fahrräder nehmen zahlenmäßig und nach Fahrleistung deutlich zu und mit E-Bikes und Lastenrädern werden sie auch schneller und schwerer“, sagte Brockmann.
Die Bevölkerung werde auf der anderen Seite immer älter. Reinhard Bauer kennt die Problematik aus seiner Arbeit als Vorsitzender des Seniorenbeirats München. „Die Situation ist sehr angespannt. Es sind viele Schnellfahrer unterwegs, die uns aus dem Weg schubsen. Als Senior fühlt man sich deshalb als Radfahrer und Fußgänger verunsichert. Senioren sind nun mal gefährdeter für Stürze.“ Bauer betont, er sei natürlich für die Stärkung des Radverkehrs und der Seniorenbeirat habe nichts gegen Radler. „Aber wir appellieren an deren Vernunft und wünschen uns gegenseitige Rücksichtnahme.“
Unfallschwerpunkte sind laut der aktuellen Studie Fußgängerzonen und Haltestellenbereiche. Immer dann, wenn Fußgänger überraschend auf Radflächen treten, kommt es zu Problemen. Und München ist hiervon besonders betroffen. „Klar: Je voller der Raum, desto größer das Gefahrenpotenzial“, sagt Andreas Schön, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs München. Er führt auf, dass allein in unserer Landeshauptstadt die Zahl der Radler seit vor Corona um 30 Prozent zugenommen habe. „Das rechtfertigt natürlich nicht, wenn Radfahrer aus Bequemlichkeit auf Gehwegen fahren oder rücksichtslos unterwegs sind.“ Schön erklärt, dass viele auch nicht wüssten, wer an Haltestellen Vorrang hat. „Wenn der Busausstieg direkt am Radweg liegt, muss der Radler anhalten, wenn es eine spezielle Ausstiegsfläche gibt, dann der Fußgänger.“
Auffallend laut Studienleiter Brockmann: Je schmaler der Radweg, umso größer die Unfallwahrscheinlichkeit. Die Forscher fordern deshalb, dies bei der Planung der Infrastruktur zu beachten und Fußgängerzonen generell nicht für den Radverkehr freizugeben. Beim Thema Infrastrukturplanung rennt er bei Andreas Schön vom ADFC offene Türen ein. „Radfahrer, aber auch Fußgänger, brauchen mehr Platz und dürfen nicht durch Autos verdrängt werden.“ Das verringere das Unfallrisiko.