Die Ampel zerstört unseren Wohntraum

von Redaktion

Haushalts-Chaos: Öffentlicher Kredit für Münchner Familie gestrichen

VON ANDREAS DASCHNER

Entsetzen, Enttäuschung, Trauer: Mit diesen Gefühlen stehen Mirjam und Andreas F. vor der sogenannten Wabe, einem Neubau in der Messestadt Riem. Eigentlich hätte das Paar mit seinen beiden Kindern Anna (5) und David (3) am 15. Januar dort in einer nagelneue Vierzimmerwohnung einziehen sollen. Doch das Haushalts-Chaos der Ampel in Berlin hat diesen Traum zerstört.

Normalerweise könnte sich die Familie – er arbeitet in der KfZ-Branche, sie im Lebensmittelsektor – eine solche Wohnung nicht leisten. Doch die Genossenschaft Wogena hatte den Zuschlag erhalten, dort ihr Modell aufzuziehen. Familie F. muss 158 000 Euro an die Wogena bezahlen und bekommt im Gegenzug eine günstige Mietwohnung.

Die Finanzierung dieser 158 000 Euro stand bereits, wie Mirjam F. berichtet. „Mit der Bank war alles besprochen.“ 58 000 Euro wollte die Familie auf dem freien Markt aufnehmen, die restlichen 100 000 Euro sollte es über die KfW-Förderbank geben – aus einem Programm, das speziell für Genossenschaftsmodelle geschaffen worden war.

Dann kam der Schock: das Ampel-Chaos in Berlin, die Haushaltssperre – und in diesem Zuge das Aus für das Förderprogramm (wir berichteten). Mirjam und Andreas F. fehlen plötzlich 100 000 Euro! „Wir haben ein Angebot von der Bank, die uns einen höheren Kredit gewähren würde“, sagt die zweifache Mutter. Doch der Zinssatz liegt bei um die fünf Prozent – doppelt so hoch wie beim KfW-Kredit. Ob sich die Familie das leisten kann? „Wir sind noch am Rechnen“, sagt Mirjam F.

Fällt die Rechnung negativ aus, bleibt der jungen Familie nur noch ein Weg: raus aus München. „Das Genossenschaftsmodell wäre für uns Normalverdiener die einzige Möglichkeit gewesen, eine bezahlbare Wohnung zu finden.“ Und die braucht die Familie dringend, denn ihre derzeitige Dreizimmerwohnung wird mit zwei Kindern bald zu klein werden. Ein Wegzug wäre ein harter Schlag. „Wir sind Münchner, unsere Kinder sind hier sozialisiert – wir wollen bleiben“, sagt die Mutter.

So wie ihr geht es derzeit hunderten von Familien, die sich ihren Wohntraum über ein Genossenschaftsmodell erfüllen wollten. Laut der Genossenschaftlichen Immobilienagentur München (GIMA) sind in München und Augsburg rund 500 Wohnungen vom Förderstopp betroffen. 500 Mieter, die ihre Wohnung nur noch deutlich teurer oder gar nicht mehr bekommen. „So viel zur Aussage von Bundeskanzler Olaf Scholz, niemand müsse Angst haben, er bekomme sein Geld nicht“, sagt Christian Stupka von der GIMA.

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