Als der Terror alles veränderte

von Redaktion

Jugendliche aus Israel erzählen im Max-Josef-Gymnasium vom Hamas-Überfall

Als die 17-jährige Ella am Morgen des 7. Oktober von Freunden nach Hause fuhr, bekam sie einen Anruf. „Mensch, schau mal, da sind Raketen über Nirim!“ Kaum war die Schülerin im Kibbuz angekommen, um in Richtung Elternhaus zu gehen, ging es los. „Die Raketen schlugen ungefähr zehn Meter von mir entfernt ein. Ich flüchtete sofort in einen öffentlichen Bunker. Zum Glück kam mein Vater dazu. Wir hörten, wie die Terroristen draußen mit Maschinengewehren schossen und herumschrien. Ich weiß nicht warum, aber sie kamen nicht zu uns rein. Meine beste Freundin und ihr Vater wurden an dem Tag getötet.“

Ella Bargil ist eine von drei israelischen Jugendlichen, die diese Woche an bayerischen Gymnasien kamen, um ihre Geschichte zu erzählen. Wie Idan Borenshtein (15) und Ori Hefetz (15) stammt sie aus dem Kibbuz Nirim direkt am Gazastreifen – alle drei erlebten dort den brutalen Angriff der Hamas-Terroristen selbst mit. Auf Einladung des israelischen Generalkonsulats kamen sie in den Freistaat, unter anderem gestern ins Max-Josef-Gymnasium an der Mühlbaurstraße. „Am 7. Oktober hat sich das Leben aller Israelis verändert“, sagte Israels Generalkonsulin Talya Lador Fresher, die beim Besuch der Teenager auch dabei war, „die Stimmen dieser Leute sollen gehört werden“.

Die ganze elfte Jahrgangsstufe des Mädchengymnasiums lauschte also den Berichten der Gleichaltrigen aus einem Land, in dem man mit 15 schon den Klang eines M-16-Gewehrs erkennt und Aufenthalte im Luftschutzkeller Routine sind. „Während wir im Safe Room warteten, telefonierte ich mit meinem Freund“, erzählt der 15-jährige Idan seine gruseligste Erinnerung. „Der berichtete mir live, wie gerade Terroristen in seinem Haus herumlaufen und die Telefonleitungen kappen.“ Die gleichaltrige Ori hingegen dachte, nach 20 Minuten sei alles vorbei und nahm ihr Handy nicht mit in den Bunker. „Als wir abends herauskamen, dachten alle meine Freunde, ich sei tot. Ich war heilfroh, sie alle lebendig wiederzusehen!“

Leichen am Straßenrand, zerstörte Häuser und Autos, Verwüstung überall bot sich den Jugendlichen, als ihre Familien mit Bussen nach Eilat evakuiert wurden. Die Regierung habe ihnen beschieden, so Ella, dass sie frühestens im Juli 2024 zurück nach Nirim könnten, erst dann sei Gaza frei von Hamas-Terroristen. Gefragt nach ihren Zukunftswünschen sagten alle drei: „Frieden im Nahen Osten.“ Die Gegner müssten einander als Menschen sehen. Und: „Miteinander reden ist möglich.“ ISABEL WINKLBAUER

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