Die Teddy-Docs auf Brandschutz-Mission

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

Eigentlich ist Ben hauptberuflich Vorschulkind. Doch an diesem Tag steht der Fünfjährige mit Mundschutz und im blauen Kittel in einem OP-Saal der München Klinik in Schwabing und zieht eine Spritze auf. Der Patient vor ihm ist plüschig – und leider sehr unvorsichtig im Umgang mit heißen Flüssigkeiten. Teddybär ist heute morgen mit einer schmerzhaften Brandverletzung eingeliefert worden. Aber er hat Glück: Ausgerechnet heute sind eine Menge Nachwuchs-Ärzte im Dienst – und sie können es kaum erwarten, bis die Operation beginnt.

Inmitten der knapp 20 Vorschulkinder steht Laura Lansink Rotgerink. Sie studiert Medizin und arbeitet eigentlich in der Kindernotaufnahme. Heute allerdings assistiert sie bei der Teddy-OP, erklärt den Kindern alle Organe und hilft ihnen dabei, Teddys Brandblasen zu verarzten und ihn zu verbinden. Nicht nur Teddy ist heute Patient. Auch Einhörner, Pinguine, Katzen oder Eulen sind mit Brandverletzungen eingeliefert worden. Marie zum Beispiel hat ihr Plüsch-Eichhörnchen dabei. „Eichi hat sich am Fuß verletzt“, sagt die Fünfjährige. Sie will natürlich wissen, wie sie ihrem kleinen Freund helfen kann. Die Medizinstudentin Britta Klinge hilft ihr dabei, einen Verband anzulegen. Selbstverständlich gibt’s auch ein Schmerzmittel, das aussieht wie ein Bonbon.

Jonas Falk hat den Präventionstag in der Klinik gemeinsam mit einem 20-köpfigen Team aus Ärzten, Studenten und Kinderkrankenschwestern organisiert. 140 Vor- und Grundschulkinder sind zu Gast, um zu lernen, wie sie sich vor gefährlichen Brandverletzungen schützen können. „80 Prozent der Brandverletzungen, mit denen Kinder bei uns eingeliefert werden, sind Verbrühungen“, sagt Carsten Krohn, Leitender Oberarzt für Kinderchirurgie. Grade zu dieser Jahreszeit, wenn wieder viele Kaminöfen und Kerzen brennen und viele Tassen mit heißen Getränken auf den Tischen stehen, ist die Gefahr besonders groß. Deshalb organisiert die Klinik einmal im Jahr den Präventionstag. Die Kinder sollen so früh wie möglich lernen, wie gefährlich Feuer sein kann.

Und wer könnte das besser erklären als ein echter Feuerwehrmann? Stefan Kießling hat einen virtuellen Feuerlöschtrainer dabei. Bevor die Kinder damit löschen dürfen, müssen sie aber erst mal ihr Wissen unter Beweis stellen. Er merkt schnell, hier hat er es mit Profis zu tun: Fast alle wissen, dass sie die 112 wählen müssen, wenn es brennt. Kießling erklärt, dass sie ihre Adresse wissen müssen, wenn sie den Notruf wählen. Wer sie nicht auswendig kann, bekommt von ihm die Hausaufgabe sie zu lernen. Außerdem sollen die Kleinen zu Hause nachschauen, ob ihre Eltern einen Feuerlöscher haben. Ben will das sofort überprüfen, wenn er später nach Hause kommt. Schließlich wüsste er ja jetzt, wie er ihn benutzen muss. Eigentlich hat er aber gelernt, dass die wichtigste Aufgabe ist, sich in Sicherheit zu bringen, wenn es brennt.

Bisher haben nur die Kuscheltiere Erfahrungen mit Brandwunden gemacht. „An Brennnesseln habe ich mich mal verbrannt“, sagt Ben nachdenklich. Damals hat er aber keinen Arzt gebraucht. Voller Stolz trägt er nach diesem Vormittag nicht nur seine OP-Maske nach Hause – sondern auch eine Urkunde über das erfolgreich absolvierte Brandschutztraining. Zu Hause will er überprüfen, wie viel seine Familie über Feuer und Brandwunden weiß. Oberarzt Carsten Krohn freut das. Denn die meisten Unfälle wären vermeidbar, betont er. Oft hat er mit Eltern zu tun, die sich schwere Vorwürfe machen, nicht besser aufgepasst zu haben. Vielleicht bekommen sie heute ein paar wertvolle Tipps von ihren Söhnen oder Töchtern.

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