München – Erst eins, dann zwei, dann drei und vier – dann liegt unterm Christbaum ein Tier? „Das ist keine gute Idee“, warnt Dr. Eva-Maria Natzer (51) vom Münchner Tierheim: „Tiere sollten niemals eine Überraschung sein.“ Sonst heißt es vielleicht: Morgen werden wir uns freu’n und nach Weihnachten alles bereu’n! Es gibt gute Gründe, seine vier Wände mit einem tierischen Mitbewohner zu teilen. Doch viele Menschen unterschätzen die Ansprüche und Bedürfnisse von Haustieren – und sind über die zum Teil sehr hohen Kosten erstaunt: Für ein Hundeleben sind es bis zu 20 000 Euro!
Jede Anschaffung, und sei es die eines Hamsters, muss gründlich überlegt werden. Wer kümmert sich, was geschieht im Urlaub, wer putzt das Katzenklo, geht mit dem Hund spazieren und bezahlt Tierarzt, Futter und Ausstattung? Man kann sich in Büchern oder im Internet informieren. Wer sich lieber mit Experten persönlich austauschen möchte, ist beim Münchner Tierheim gut aufgehoben. Dort gibt es ein Team aus erfahrenen Tierpflegern, die gern ihr Wissen teilen. Selbst wer keinen Mitbewohner adoptieren, sondern lieber beim Züchter ein Tier kaufen möchte, kann sich jederzeit bei den Experten schlaumachen: „Wir beraten supergerne“, bestätigt Eva-Maria Natzer: „Wir sind froh, wenn wir mithelfen können, dass Haustiere artgerecht gehalten werden.“ Beratungen sind nach telefonischer Vereinbarung jederzeit möglich, außer an den Besuchsnachmittagen am Mittwoch und Samstag. Infos zu den einzelnen Tierhäusern unter www.tierschutzverein-muenchen.de oder 089/92100088.
Viele Haltungsempfehlungen seien heute anders als vor 20 Jahren: „Kaninchen z. B. brauchen unbedingt einen Freilauf, im Haus am besten ein eigenes Zimmer zum Herumlaufen! Das sind Sprinter, die bis zu Tempo 60 schnell laufen können, die können nicht in einem Käfig eingesperrt sein.“ Ähnliches gilt für Vögel wie Wellensittiche: Diese benötigen eine große Voliere und regelmäßig Freiflug in einem Zimmer. Die einzigen Tiere, die ausschließlich in sehr großen und abwechslungsreich gestalteten Käfigen gehalten werden könnten, seien Hamster (Einzelgänger), Degus und Mäuse (jeweils mehrere Tiere).
Die Biologin Natzer rät aus eigener Erfahrung: „Es ist wunderschön, mit einem Hund zusammenzuleben. Aber für die Entscheidung sollte man sich Zeit lassen, niemals aus einer Schockverliebheit heraus handeln.“ Wer einem Hund oder einer Katze aus dem Tierheim ein neues Zuhause geben möchte, wird das Tier bei Besuchen kennenlernen und viel über seinen Charakter und Eigenheiten erfahren. Erst nach einem Probewohnen fällt die endgültige Entscheidung, ob Zwei- und Vierbeiner wirklich zusammenpassen: „Nicht jedes Tier ist für jeden Menschen geeignet“, so Natzer: „Auch das sollte bei einer Entscheidung berücksichtigt werden.“ Denn es ist traurige Realität: In den ersten Monaten des Jahres steigt die Zahl der Abgabetiere in den Tierheimen stark an.