Die Fälscher vom Amt

von Redaktion

„Liebes KVR, warum hast Du meinen Führerschein gefälscht?“ Zugegeben, anfangs dachte Fahranfängerin Juli E. (18) noch an eine Posse aus den Amtsstuben. Zur Erinnerung: Die Münchnerin hatte im Sommer ihren Führerschein bestanden. 3200 Euro hat sie dafür bezahlt, finanziert durch Babysitten, Jobs im Supermarkt und einen Zuschuss ihrer Eltern. Jetzt fehlte nur noch das offizielle Dokument. Eigentlich eine Formsache: E. hatte längst ihr Passfoto auf ein amtliches Formular geklebt, auf dem vorgesehenen Unterschriftenfeld unterschrieben und alles an die Führerscheinstelle geschickt.

Voller Vorfreude holte sie Ende Oktober an der Garmischer Straße ihren Führerschein ab. Und dann begann der Ärger: Der Führerschein ist zwar mit ihrem Namen unterschrieben, es ist aber nicht ihre Unterschrift. Eine fremde Person hat in ihrem Namen den Ausweis schwungvoll unterzeichnet. „Das war eine komplett andere Handschrift“, sagt Juli E. und legt zum Beweis dutzende eigene Schriftproben vor. Das Kreisverwaltungsreferat bestreitet das nicht. Der Behörde ist der Vorfall peinlich, interne Ermittler sollten der Sache von Anfang an nachgehen. Nach dem Bericht in unserer Zeitung Mitte November („KVR fälscht Führerschein“) kam auch Druck von der Politik: Die ÖDP forderte im Stadtrat Aufklärung. „Wir müssen sicherstellen, dass sich solche Fälle nicht wiederholen können“, sagte ÖDP-Chef Tobias Ruff damals.

Zu spät. Der Fall hat sich wiederholt – bei derselben Person. Wieder stehen alle vor einem Rätsel: Liegt kriminelles Handeln vor oder wurde einfach nur sehr schlampig gearbeitet? Auch die internen KVR-Ermittler sind noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Juli E. jedenfalls ist bedient. Nachdem sich Anfang November der Schreck über den ersten gefälschten Führerschein gelegt hatte, war sie noch hoffnungsfroh. „Das KVR hat sich echt um mich gekümmert. Ich habe einen direkten Ansprechpartner bekommen – und viele Entschuldigungen“, erzählt die 18-Jährige. Sie schickte Ende November erneut ein Passfoto und ihre Unterschrift ein, vor ein paar Tagen landete der neue, zweite Führerschein im Briefkasten – nur eben wieder mit der gefälschten Unterschrift.

„Wie kann das nach all dem Wirbel noch mal passieren?“, fragt Juli E. und sagt: „Ich mache mir schon Sorgen, wie in der Behörde mit meinen Daten umgegangen wird.“ Vor allem: Warum hat das KVR die gefälschte Unterschrift auch nach Wochen nicht gelöscht? Was ist eigentlich in der Führerscheinstelle los?

„Wir sind uns der Tragweite des Vorfalls voll bewusst“, heißt es beim KVR. Die Behörde kündigt Konsequenzen an. Dazu gehöre die eingehende Überprüfung der internen Abläufe und Prozesse, insbesondere in der Führerscheinstelle. Konkret soll eine neue Version im Fachverfahren die Sicherheitsstandards erhöhen und die Prozesse optimieren. Das KVR spricht von einem „erneuten Fehler“, von „inakzeptabel“ und einem „tiefsten Bedauern“. Weitere Fälle dieser Art seien aber nicht bekannt.

Das KVR hat inzwischen Anzeige erstattet, der Fall liegt zur strafrechtlichen Verfolgung bei der Staatsanwaltschaft. Immerhin: Die gefälschte Unterschrift sei jetzt gelöscht. Derweil wartet Juli E. gespannt auf einen gültigen Führerschein, der auch ihre Handschrift trägt.  be

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