Ab Böen von 30 Stundenkilometern wird es in der neuen Riemer Zeltstadt laut. Der Wind heult, die Planen knattern. Wenn in der zweiten Januarwoche die ersten Geflüchteten in den neuen Leichtbauhallen dort untergebracht werden, kann man nur hoffen, dass es nicht so stürmt wie gestern. Da zeigte die städtische Sozialreferentin Dorothee Schiwy die neuen Unterkünfte am Messegelände, in der bis zu 2000 Menschen Platz finden sollen.
Der erste Eindruck: Die Leichtbauten wirken etwas gemütlicher als die Zeltstadt vom Frühsommer 2022. Damals waren 1200 Geflüchtete aus der Ukraine auf den Messeparkplatz gezogen. „Wir haben jetzt für mehr Privatsphäre gesorgt“, sagt Gerhard Mayer von der Stadt. Zusammen mit Dorothee Schiwy präsentiert er die durch etwa 1,60 Meter hohe Holzwände getrennten Räume in den Zelten. Sie bieten Platz für je vier Betten und einen Metallschrank. „Höher dürfen die Holzwände nicht sein – aus Brandschutzgründen, damit man rechtzeitig merkt, wenn ein Feuer ausbricht.“
Mayer rechnet mit monatlich etwa 200 Menschen aus unterschiedlichen Ländern, „Es könnte sein, dass wir auch zusätzlich bis zu 100 Ukrainer im Monat aufnehmen“, sagt er. „Allerdings versuchen wir, die Leute nach Zelten aufzuteilen – allein schon, weil so ein komplett volles Zelt für niemanden angenehm ist. Je nachdem, wie voll wir sind, teilen wir eher nach Zielgruppen auf.“
Um die Sozialbetreuung vor Ort kümmert sich das Leitungsteam um Moritz Nickel von der Organisation „Jonas better Place“ sowie die Diakonie Rosenheim. Etwa 250 Menschen haben in einer Leichtbauhalle Platz. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein etwas nüchtern geratenes Wiesn-Zelt. „Wir rechnen damit, dass niemand länger als drei Monate da ist.“ Bis zu den geplanten Adele-Konzerten im Sommer (wir berichteten) sollen die Hallen spätestens wieder abgebaut werden.
Um die Flüchtlinge dann wieder unterzubringen, mietet die Stadt laufend Bestandsgebäude an. Auch sollen Mitte 2024 sogenannte Modulbauten für bis zu 700 Menschen in Freiham entstehen.
Zuletzt gab es in einigen Münchner Vierteln Ärger, weil sich die Bewohner dort teilweise überfordert fühlten – zum Beispiel in Johanneskirchen. Sozialreferentin Schiwy meint dazu: „Wir haben das in den letzten Jahren gut bewältigt und werden es auch weiterhin gut bewältigen. Trotzdem kann man natürlich fragen, ob die Unterbringung in den Ballungsräumen so geeignet ist.“
Problematisch sei, dass die sogenannten Statuswechsler, also zum Beispiel Menschen, die als Asylbewerber anerkannt werden, weiter in den Unterkünften bleiben müssten, weil sie auf dem freien Markt keine Wohnung fänden. GABRIELE WINTER