Irgendwas mit „innehalten“

von Redaktion

MATTHIAS KIEFERSAUER

„Schreib’ halt was Besinnliches!“, sagt mein Freund Stefan, als ich ihm meine Nöte schildere: Dieser Text hier wird nämlich bis zum 26. Dezember auf Ihrem Tisch liegen. Eine Zeit, in der viel passiert: Erst die Freude über das Wiedersehen mit der Familie, kurz darauf die Freude über den Abschied von der Familie, dazwischen drei Mal alle Gefühle dieser Welt. Im Fernsehen wird die Titanic untergehen, das Traumschiff dagegen nicht. Und Emma Thompson wird wie jedes Jahr in der Jackentasche von Alan Rickman eine Kette entdecken, die der dann aber nicht ihr, sondern seiner Sekretärin zu Weihnachten schenkt. Zu all dem soll mein Text passen. Ein Eier legender Wollmilch-Text.

Etwas Besinnliches also! Irgendwas mit Bacherl, Brückerl, Kircherl und Schnee vielleicht? – Aber an Weihnachten 2023, da fällt der Schnee als Regen vom Himmel, und zwar in so großen Mengen, dass das Bacherl Hochwasser führt, weswegen wir das Brückerl gar nicht nehmen können, um ins Kircherl zu gehen. Besinnlich ist das nicht gerade. Stefan sagt, besinnlich sei alles, was nach „innehalten“ klingt. Ach ja? Etwa auch der Satz: „Kannst Du bitte mal meine Spinne halten?“ – Eben!

Vor etwa zwanzig Jahren habe ich schon einmal versucht, einen besinnlichen Text zu schreiben. Damals wollten wir einen Weihnachtshit landen, versammelten alle guten Musiker aus dem Bekanntenkreis und nahmen als eine Art „Band Aid des Oberlands“ einen Song mit dem Titel „Der schönste Tag im Jahr“ auf. Die Einnahmen hätten wir einem guten Zweck gespendet. Das schreibt sich jetzt leicht. Denn es gab einfach keine Einnahmen, was – so viel Selbstkritik muss sein – vermutlich an Textzeilen lag wie: „Und dann biesel’ ich ein Herzerl in den Schnee / und weil Weihnachten ist, wasch’ ich meinen PKW.“ Weihnachtshits gehen anders, das habe ich in der Zwischenzeit gelernt. Aber man kann mein damaliges Oeuvre durchaus auch positiv sehen: Ich wollte partout keinen Kitsch schreiben. Das ist mir gelungen, mit Bravour. Besinnlich waren meine Zeilen allerdings auch nicht.

Liebe Leserinnen und Leser, es tut mir leid, aber in „besinnlich“ bin ich echt eine Niete. Ich wünsche Ihnen trotzdem ein schönes Weihnachtsfest.

Sie erreichen den Autor unter redaktion@ovb.net

Artikel 4 von 6