Hort fürchtet um seine Räume

von Redaktion

VON SABRINA PROSKE

Auf dem Bruckmann-Quartier – dem ehemaligen Bruckmann-Verlagsgelände an der Ecke Nymphenburger- und Lothstraße – soll ab 2025 gebaut werden. Was genau auf dem teilweise denkmalgeschützten Gelände entsteht, weiß zum jetzigen Zeitpunkt weder die Stadt München noch der Bezirksausschuss oder der betroffene Hort und die Eltern der dort betreuten Kinder.

Der Immobilienbesitzer Rock Capital hält sich zu seinen Bauplänen noch bedeckt. Die Vermutung der Eltern- initiative: Luxuswohnungen. Ende 2024 läuft der Mietvertrag von „KinderHouse e.V.“ aus. Die Not, eine neue Immobilie für die Nachmittagsbetreuung zu finden rückt näher. „Wir sind alle berufstätig und sind darauf angewiesen, einen guten Hort-Platz zu haben“, erklärt Vorstandsmitglied Michael Haal. Bislang war die Beziehung zum Immobilienbesitzer Rock Capital gut, sagt Haal. Auch der Immobilienbesitzer betont das gute Verhältnis.

2014 hatte die Rock Capital Group das 25 000 Quadratmeter große Gelände für rund 80 Millionen Euro gekauft. Seitdem hat sich auf dem Gelände nicht allzu viel getan, außer dass über die Jahre die Mietverträge der Vormieter ausgelaufen sind. Manche Mieter haben expandiert und eine größere Gewerbefläche bezogen, andere sind gegangen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten konnten. Eine Mietpartei, die sich mit dem Gehen nicht so leichttut, ist der bilinguale Kinderhort.

Freie Hort-Träger wie die Elterninitiative im Bruckmann-Quartier haben es schwer, einen neuen Standort in München zu finden. „Nicht-städtische Einrichtungen sind besonders vom Notstand betroffen“, erklärt Stadträtin Alexandra Gaßmann (CSU) im Gespräch mit unserer Zeitung. Wie viel kinderpädagogische Einrichtungen aktuell auf Immobiliensuche sind, wird nicht zentral erfasst, heißt es aus mehreren Stellen auf Stadt- und Landesebene. Trotzdem ist die Anzahl besorgniserregend hoch, betont Gaßmann.

In München und Umgebung gibt es eigentlich genug freie Flächen, erklärt Stephan Kippes vom bayerischen Immobilienverband. Genau diese Flächen suchen die Eltern von „KinderHouse e.V.“ verstärkt seit September diesen Jahres. Jede Woche streifen sie durch die Straßen zwischen der Landshuter Allee und der Pappenheimer Straße. Sie halten Ausschau nach Entrümpelungen oder entfernten Firmenschildern. „Alles, was darüber Aufschluss gibt, dass dort eine Immobilie frei wird, erfassen wir“, berichtet Haal.

Außerdem haben die Eltern ein „Immo-Team“ gebildet, das Inserate auf Immobilienplattformen durchforstet und Vermieter anschreibt. „Wir bekommen aber oft nicht mal eine Einladung zur Besichtigung“, sagen die Eltern Carolin Riessner und Normann Goodwin. Einmal, so berichten sie, kam sogar die Antwort: „Auf diesem Areal sind Kinder nicht erwünscht.“ Laut einer Umfrage von Immowelt, geben 5,5 Prozent der Befragten an, von einem Kindergarten in unmittelbarer Nähe genervt zu sein.

Seija Knorr-Köning (SPD) sieht schnellen Handlungsbedarf und verweist auf das soziale Engagement von Rock Capital. „Um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, sollten sie den Worten Taten folgen lassen und sich dringend dafür einsetzen, dass für den Hort während und nach den Baumaßnahmen eine praktikable und bezahlbare Lösung gefunden wird“, sagt sie.

„Grundsätzlich wird unsererseits beabsichtigt, auch nach einer Neupositionierung des Standortes wieder Flächen zur Verfügung zu stellen“, erklärt Managing Partner Christian Lealahabumrung von Rock Capital gegenüber unserer Zeitung. Auch Gudrun Piesczek (CSU), Vorsitzende des Unterausschuss Bau möchte sich für ein klärendes Gespräch mit dem Bauherrn einsetzen. „Man braucht Rock Capital jetzt am Tisch“, sagt sie und gibt zu, selbst nicht zu wissen, was auf dem Areal entstehen soll.

Auf Rückfrage beim Baureferat heißt es, dass aktuell kein Antrag auf Baugenehmigung vorliege. Aufschluss wie das Gelände in Zukunft genutzt werden soll, geben die Bauvoranfragen. Dabei hatte Rock Capital den „Neubau einer Wohnanlage mit Tiefgarage“ und den „Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses mit Tiefgarage“ abgefragt, erklärt Pressesprecher Thorsten Vogel. Im Februar 2023 wurde ein Vorbescheid zum „Neubau eines Büro- und Geschäftshauses“ erteilt, heißt es weiter. Luxuswohnungen sollen es also nach aktuellem Stand nicht werden. Rock Capital wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern, da das konkrete Nutzungskonzept für den Gesamtstandort sich derzeit noch in Erarbeitung befinde, so Christian Lealahabumrung.

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