Niveauvoll ins neue Jahr

von Redaktion

Nicht nur für Promis: Benimm-Coach Clemens Graf von Hoyos gibt Tipps für stilvolles Silvester

Der Countdown läuft – auch für die Promis! Bald starten die Sängerinnen Sarah Engels und Lena Meyer-Landrut, Moderatorin Victoria Swarovski und Fitness-Bloggerin Pamela Reif in ein neues, aufregendes Jahr! Wie die Silvester-Party auf jeden Fall gelingt und was es beim Rutsch ins neue Jahr zu beachten gilt, hat Knigge-Experte Clemens Graf von Hoyos verraten.

Wann müssen die Einladungen spätestens verschickt werden?

Da gibt es keine Regel. Man kann fünf Minuten vor Silvester die Nachbarn einladen, man kann aber auch genauso von langer Hand planen. Die Frage ist immer, was man vorhat. Je größer der Rahmen, je festlicher die gesamte Feier, desto mehr Vorlauf braucht man natürlich. Da empfehle ich auf jeden Fall vier bis sechs Wochen einzuplanen.

Sollte die Gästeanzahl eher begrenzt gehalten werden?

Im Englischen heißt es, je mehr Gäste, desto schöner und fröhlicher wird das Fest. Bei einem gesetzten Essen sollte jeder bequem Platz am Tisch finden. Bei einer reinen Stehparty, was ich auch sehr gerne mache, kann man bedeutend mehr Leute einladen. Mein Plädoyer: so viele Gruppen wie möglich mischen!

Was muss unbedingt auf einer Einladungskarte stehen?

Auch hier liegt es wieder am Einladenden. Es gibt die Einladung um 19 Uhr, da müssen alle um 19 Uhr da sein, und es gibt die Einladung ab 19 Uhr, da hat man gute 20 Minuten Zeit, um sich einzufinden. Oft schreiben Leute, wir freuen uns, wenn ihr vor Mitternacht zu uns kommt, damit wir anstoßen können. Da ist es fair, 20 Minuten vor Mitternacht da zu sein, damit auch entsprechend viele Gläser hergerichtet werden können.

Gehört es sich, immer zu- oder abzusagen?

Ja. Auch, um dem Gastgeber die Planungssicherheit zu geben. Ich muss gestehen, selbst als Vorsitzender der Deutschen Knigge-Gesellschaft gelingt mir das nicht immer. Das liegt aber daran, dass ich eine enorme Reisetätigkeit habe und im Schnitt nur jede dritte Nacht zu Hause schlafe. Die Maxime ist, so früh wie möglich zuzusagen. Es ist besonders stilvoll, wenn man auf dieselbe Art und Weise zusagt, wie man eingeladen wurde. Absagen sollte man immer telefonisch, nicht nur per Whatsapp.

Kann man auch ohne Einladung zur Party kommen?

Auf keinen Fall. Mein Tipp: Wenn man weiß, dass eine Stehparty oder ein großer Sekt- oder Champagnerempfang geplant ist, lässt das natürlich mehr Gäste zu, aber die sollten angekündigt sein. Ich bin kein Fan davon, denn die Gastgeber haben sich bei der Zusammenstellung ihrer Gäste ja auch etwas gedacht. Deshalb: ungefragt jemanden mitbringen? Da würde ich auch den Gast, der eingeladen ist, nicht reinlassen!

Ist es nötig, die Nachbarn zu informieren, wenn eine Silvester-Party steigt?

Ja, das ist eine sehr gute Idee. Dahinter versteckt sich eine Technik, die nennt sich Moderation. Wer moderiert, schafft Orientierung, wer Orientierung schafft, schafft Sicherheit, wer Sicherheit schafft, schafft Harmonie und um Harmonie geht es ja auch in der guten Nachbarschaft.

Würden Sie immer einen Dresscode vorgeben?

Ich bin ein großer Fan davon. Auch, weil es den Gästen Sicherheit gibt, welche Erwartungshaltung man hat. Ein Dresscode trägt zur Festlichkeit bei. Er veranschaulicht Einheitlichkeit und garantiert lustige Bilder.

Was sollte bei der Dekoration beachtet werden?

Die Dekoration sollte kein Sondermüll sein, der nur einmal benutzt wird, das finde ich verschwenderisch und wenig umsichtig gegenüber der Umwelt, gleichzeitig sollte der Tischschmuck nie so hoch gewählt werden, dass man sein Gegenüber nicht mehr sieht. Aber am Ende ist erlaubt, was gefällt. Entscheidend ist einfach, dass man eine Atmosphäre kreiert, in der sich jeder wohlfühlt.

Welche Musik ist auf jeden Fall zu empfehlen?

Während des Essens kann es etwas Ruhiges, Getragenes, Festliches, Schönes sein und je später der Abend, desto lauter wird die Musik und desto fetziger darf sie auch werden, denn man will die Leute ja auch zum Tanzen auf die Tanzfläche bringen.

Ein feiner Begrüßungsdrink – ja oder nein?

Es ist eine sehr, sehr schöne Geste, einen Aperitif anzubieten. Auch antialkoholische Cocktails funktionieren da wunderbar. Belebende Frucht-Seccos, die leicht prickeln, sind fantastisch. Dazu kann man ruhig kleine Canapés anbieten, das trägt zur Gastlichkeit bei.

Wie geht man am besten mit dem Thema Alkohol um?

Ganz gleich, welcher Alkohol es ist, zu jedem Glas trinkt man im Idealfall zwei Gläser Wasser. Das ist schon mal eine gute Empfehlung, mit der man halbwegs nüchtern durch den Abend kommt, selbst wenn man zu sieben Gängen auch passende Begleitweine hat. Trotz allem sollte man seine Grenzen kennen – und die liegen womöglich im engen Freundeskreis noch mal woanders als in einem Umfeld, wo auch Kollegen dabei sind.

Um null Uhr knallen die Schampus-Korken! Wie wird er serviert?

Champagner am besten eisgekühlt frappiert, dann hält die Perlage länger. Champagner trinkt man schnell und in großzügigen Schlucken, also man darf das Glas wirklich in drei Schlucken leeren, um den größten Genuss zu gewährleisten. Wichtig beim Anstoßen ist, dass ein Toast nie unterbrochen wird.

Sollte man sich beim Gastgeber im Nachhinein noch bedanken?

Ist man zu Hause, sollte man sich mit einem Blumenstrauß, mit einer Karte oder mit einem Anruf innerhalb einer Woche nach der Veranstaltung bedanken. Das ist stilvoller, als nur beim Verlassen Danke zu sagen.

Wie lange kann man sich ein gutes neues Jahr wünschen?

Das Arbeiten beginnt meistens nach der ersten Januarwoche. In der zweiten Januarwoche ist es auch noch angemessen, in der dritten Januarwoche ist es eine überstrapazierte Floskel. Auch Neujahrsgrüße per Post sind sehr schön. Ich schreibe jedes Jahr um die 250 Karten.

Zusammengefasst, was sind die absoluten No-Gos bei einer Silvester-Party?

Es gibt generell vier Tabus: leiden, lästern, Unpünktlichkeit und das inflationäre Verteilen von Visitenkarten.

Wie feiern Sie in diesem Jahr Silvester?

Wir haben ein zwölf Wochen altes Kind, das ändert einiges. Vielleicht kommen die Eltern oder die Schwiegereltern, aber dieses Jahr lassen wir es auf uns zukommen. Ansonsten waren wir gerne die Gastgeber, weil es uns Freude macht und erfüllt. Meine Frau ist eine fantastische Gastgeberin.

Interview: Teresa Winter

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