Nachdenkliche Töne haben die Predigten in den bayerischen Bischofskirchen zu Silvester und Neujahr geprägt. Das beschäftigt die obersten katholischen und evangelischen Geistlichen Bayerns:
Der katholische Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte, er gehe „mit großer Sorge in das kommende Jahr“. Er verwies auf die Kriege „vor unserer Haustüre“, aber auch die Gefahr, die von autoritärem Denken, Populismus und Verschwörungstheorien für die Demokratie ausgehe – nicht nur in Europa, sondern auch weltweit. Um sich den Herausforderungen mit Zuversicht zu stellen, bräuchten Christinnen und Christen Stärke aus dem Glauben. „Ich bin überzeugt, dass gerade die Kraft des Gebets von außerordentlicher Bedeutung ist, denn im Gebet öffnet sich ein neuer Horizont“, so Marx. Es sei wichtig, „dass wir entdecken und erleben, dass wir im Gottesdienst Kraft finden“.
Der evangelische bayerische Landesbischof Christian Kopp kritisierte das Wiederaufkommen nationalistischen Denkens in politischen Auseinandersetzungen um Migration und abgehängte Personen. Nationalismus sei aber „keine Erfindung Gottes“, sondern von den Menschen. Die Liebe Gottes gelte jedem Menschen, „wie auch immer jemand aussieht, wie sie spricht, wie er denkt“. Kopp predigte über die Jahreslosung für 2024, einen Satz aus dem Neuen Testament der Bibel: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ (1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 16, Vers 14). Dieser Satz habe ihn sofort an den Beatles-Song „All You Need Is Love“ erinnert. Es sei nie zu spät, mit der Liebe anzufangen, so Kopp in seiner Predigt. mbi