Es sei wie ein Rausch, sagt Mirco Schanz (45). Die Endorphine strömen in den Körper, sobald das eiskalte Wasser die Haut berührt. Mirco Schanz taucht ein, bis zum Hals liegt er in den rund fünf Grad kalten Fluten. Der Wind bläst ihm ins Gesicht, sein ganzer Körper rötet sich. Rund fünf Minuten hält er es im Wasser aus. „Es ist ein wahnsinniges Glücksgefühl“, sagt er.
Mirco Schanz war einer der Mutigen, die gestern traditionell das neue Jahr mit einem Eisbad am Flaucher an der Isar begannen. Kaltstart ins Jahr 2024! Mehrere Gruppen trafen sich rund um den Flauchersteg, Jung und Alt, um gemeinsam zu baden. „Über die Jahre ist die Tradition immer beliebter geworden“, sagt Norbert Mayer (65).
Als er vor zwölf Jahren damit anfing, sei er oft noch relativ alleine gewesen. Mittlerweile besteht die Gruppe, mit er regelmäßig baden geht, aus rund 130 Personen. „Vor allem während Corona hat das Eisbaden einen richtigen Schub bekommen“, sagt er. Es ließe sich dabei einfach sofort abschalten: Wenn man im eiskalten Wasser stehe, vergesse man einfach alles um sich herum, alle Sorgen. „Besser als Medizin!“
Um zwölf Uhr mittags, genau als Wolken aufziehen, der Himmel sich verfinstert, es anfängt zu regnen, ist es gestern so weit – die Gruppe von Mayer ist bereit für die eisige Isar. Um die sechs Grad hat es im Freien. Um sich aufzuwärmen, pressen einige noch schnell wie bei einer Rangelei die Schultern aneinander. Dann gehen sie zum steinernen Ufer, ziehen sich die dicken Jacken, Schals und langen Unterhosen aus. Mayer gibt das Signal: „Fertig, los!“, schreit er. Die Ersten laufen los, lassen sich in das strömende Wasser am Isar-Wehr fallen. Kichern, kreischen und reißen die Arme in die Luft.
„Es ist super“, sagt Brigitte Schilbach (67), die ihre Nikolausmütze im Wasser auflässt. Sie fing während Corona an mit dem Eisbaden. „Ich fühle mich seitdem viel fitter und gesünder“, sagt sie. Kopfschmerzen und sogar Migräne habe sie seitdem deutlich seltener. Es stimmt: Eisbaden hat nachweislich einen Effekt auf den Körper. Beim Eintauchen ins Wasser ziehen sich alle Gefäße zusammen. Beim Aufwärmen weiten sie sich schlagartig wieder, Blut strömt durch den Körper. Das kann sich positiv auf das Immun- und Kreislaufsystem auswirken, Infekte vorbeugen.
„Seit wir angefangen haben, zieht die Erkältungszeit an uns vorbei“, sagt Sebastian Habersetzer (38), der mit seiner Partnerin Nadja Raoufi (41) gekommen ist. Auch Glückshormone schüttet der Körper aus – das psychische Wohlbefinden kann sich bessern. Man sollte jedoch ein gesundes Herz haben – und sich erst langsam herantasten, nicht sofort und zu lange in die kalten Fluten springen, raten Mediziner. „Man arbeitet sich Schritt für Schritt ran“, bestätigt Nadja Raoufi. Wenn sich der Körper erst einmal daran gewöhnt habe, sei es aber einfach nur noch herrlich!