Münchens unsinnigster Spielplatz

von Redaktion

VON SABRINA PROSKE

„Wir bauen auf dem Penny- Dach einen Spielpatz“, erklärt Michael Dietzel von der SVG Straßenverkehrsgenossenschaft Süd. Die Ausstattung steht auch schon fest. Auf vier Metern Höhe sollen Sandkästen, Schaukeln, Türme zum Klettern und Rutschen stehen, so der aktuelle Bauplan, der dem Baureferat zur Freigabe vorliegt.

Als „außergewöhnlich“ bezeichnet Gudrun Piescek (CSU), Vorsitzende des Unterausschusses Bau und Stadtplanung im Bezirksausschuss Nymphenburg-Neuhausen, die Idee. „So etwas gibt es nicht allzu oft in München.“ Genauer gesagt gibt es ein solches Projekt bisher noch einmal in München: an der Müllerstraße.

Ein urbaner Spielraum in Zeiten der Nachverdichtung, ruhig und hoch gelegen, eingefasst in ein Wohngebiet. So in etwa hatte sich die Stadt München und vor allem das Baureferat den Spielplatz auf dem Penny-Dach vorgestellt. Was sich zunächst nach einer zeitgemäßen und kinderfreundlich gedachten Idee anhört, entpuppt sich schnell als „Schwachsinn“.

Denn so bezeichnet der verantwortliche Architekt Christoph Kruppa von der Karree Projektmanagement GmbH seine eigenen Baupläne. Die zukünftige Spieloase bietet Blick auf die mehrspurige Leonrodstraße, liegt neben einer Tankstelle, auf dem Dach des Penny-Discounters. Dazu kommt: Zugang zum Spielplatz gibt es nur über das private Wohngebäude. „Diesen exklusiven Spielplatz wird nie jemand nutzen“, erklärt Kruppa.

Die Wohnungen seien aus- schließlich Ein-Zimmer-Apartments. „Dort ziehen keine Familien ein.“ Für Kinder von außerhalb gibt es keinen Zugang. „Das ist ne witzige Kiste, echt cool. Aber wir bauen das wohl umsonst“, sagt der Architekt mit sarkastischem Unterton.

Wie es zu solchen Prestigeprojekten der Stadt kommt, lässt sich durch das Baurecht erklären, das laut Kruppa seit den Nuller-Jahren etwas strenger ausgelegt wird. Dieses sieht vor, dass bei Neubauprojekten ab drei Wohnungen die Errichtung eines Spielplatzes in Deutschland zu den Pflichten des Bauträgers gehört. Ein einfacher Sandkasten erfüllt nicht die gesetzlichen Bestimmungen. Zu dem Spielplatz kam die SVG Straßenverkehrsgenossenschaft also quasi wie die Jungfrau zum Kind.

„Eigentlich haben unsere Baupläne nie einen Spielplatz an diesem Ort vorgesehen“, erklärt der Auftraggeber Michael Dietzel. „Vor zehn Jahren hatte ich die Idee, den Wohnkomplex aufzustocken.“ Seitdem wartet er auf eine Genehmigung von der Behörde. „Ich will nur fünf Wohnungen für meine Mitarbeiter bauen“, erklärt er.

Ein zurückversetztes Dachgeschoss stellt er sich vor. Dazu kommt die Sanierung sowie ein freistehender Aufzug. Im Juli 2022 kam dann der Vorbescheid – und mit ihm auch die Auflage für den Spielplatz.

„Wir bauen den Spielplatz jetzt einfach“. sagt Dietzel resigniert. Doch die Bürokratisierung im Baurecht macht ihm zu schaffen. „Das ist doch ein Irrsinn. Ich baue Dienstwohnungen, ich bin kein Benko, ich mache keinen Profit. Wir sind eine Genossenschaft.“ Auch Architekt Christoph Kruppa möchte endlich einen Haken hinter das Projekt machen. Er wünscht sich inzwischen einfach nur einen positiven Baubescheid.

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