Sperrzone fürs Trachten-Training

von Redaktion

VON MATHIAS BIEBER

Klaus Reithmeier ist Sportler aus Leidenschaft. Aufgeben ist keine Option. Doch seit 2022 muss er ganz schön schnaufen. Denn sein bekanntes Lederhosen-Training im Englischen Garten wurde erst von der Schönfeldwiese im Südteil in den Nordteil verlegt, wo viel weniger Teilnehmer kamen. Und in der vergangenen Saison hat die Bayerische Schlösserverwaltung den gesamten Englischen Garten für die Gratis-Gymnastik-Gaudi gesperrt. Warum? Boden-Verdichtungsgefahr. Doch Reithmeier sagt: „Ich kämpfe weiter und will das unbedingt machen, bis ich mindestens 80 bin.“ Noch ist er 40.

Die Schlösserverwaltung, die dem Freistaat untersteht, verweist darauf, dass nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren zum Arten- und speziell Bienenschutz immer mehr Blühwiesen angelegt werden, zudem förderten viele Füße auf wenig Platz eben die Bodenverdichtung – die sei Gift für eine Rekultivierung. Gilt auch für die Schönfeldwiese, die „aktiv zur Blühwiese“ umgebaut wurde und wird. Also da, wo Reithmeier ein Jahrzehnt lang Hunderte zum Sporteln animierte.

„Ich habe damals selbst das Bürgerbegehren unterschrieben“, sagt Reithmeier unserer Zeitung. „Doch ich verstehe nicht, dass im ganzen Südteil von Münchens grüner Lunge kein Platz für ein paar hundert Sportler sein soll. Gerade seit der Pandemie ist die Zahl der Übergewichtigen und psychisch Erkrankten gestiegen, und jeder weiß, dass Bewegung auf Physis und Psyche Wunder wirkt.“ Der Englische Garten sei ein Volkspark, er selbst stehe für Volksgesundheit. „Eigentlich müsste es solche Veranstaltungen in jeder Ecke Bayerns geben.“

Doch das ist momentan ein Traum. In zwölf bayerischen Städten, so der Münchner, hatte er das Training ins Rollen gebracht – mit ausgebildeten Trainern vor Ort und überall gratis. Doch mit dem Niedergang des „Leuchtturmprojekts“ in München habe er alle anderen Städte aufgeben müssen – weil die Sponsoren abgesprungen sind. Die Teilnehmerzahl sank mit der Abnahme des Medien-Interesses.

Vor drei Jahren zog Reithmeier das letzte Mal Hunderte auf die Schönfeldwiese, danach wurde ihm für eine Saison die riesige Karl-Theodor-Wiese am Monopteros angeboten. „Doch die Schlösserverwaltung sagt selbst, dass das Areal stark von Parkbesuchern genutzt wird. Ich konnte das nicht annehmen, denn dort findet man immer wieder Glasscherben. Für Liegestützen und mehr war das einfach zu gefährlich.“ Ersatz: eine Fläche im Nordteil, doch der ist weit weniger frequentiert und schwer erreichbar. „2022 kamen zwischen 200 und 300 Teilnehmer statt 800 im Südteil.“

Hilfe bekam er 2023 nicht vom Staat, sondern von der Stadt. Sie hat ihm über ihr Programm Freizeitsport München 2023 den Olympiaberg zur Verfügung gestellt, wo er einen Neustart wagte. Doch auch hier läuft es mühsam an. Reithmeiers mittelfristiges Ziel: „Erst München wieder in den Griff bekommen und dann das Gratis-Training wieder auf möglichst viele bayerische Städte ausbauen.“ Wenn Sponsoren wieder mitmachen – Gesundheit ist schließlich immer ein Thema. „Ich bin wild entschlossen, dieses Jahr wieder alles zu geben und das Lederhosen-Training zu alter Stärke zurückzuführen.“

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