Die Faschings-Koalition

von Redaktion

VON JULIAN LIMMER

Im Fasching werden bekanntlich gern Grenzen überschritten, klar. Gestern blieben zum narrischen Münchner Finale, dem Tanz der Standlfrauen am Viktualienmarkt, noch nicht einmal die politischen Parteigrenzen verschont. Spitzenpolitiker vollzogen den gesinnungsmäßigen Farben-Tausch: Der zweite Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) verwandelte sich in CSU-Legende Edmund Stoiber, die dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) ging als Claudia Roth (Grüne) – und Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) als Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD). So standen sie dann nebeneinander auf dem Markt: als bunte Faschings-Koalition!

Krause alias Stoiber stellte klar, dass er in einer „Doppelrolle“ hier sei: nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Ministerpräsident a. D.: „Ede Stoiber“, wie Krause sagte, sei ein Vorbild in Sachen Rhetorik, „ein Meister der bayerischen Kommunikation“. Dann schob er, wie sollte es anders sein, Stoiber-Klassiker wie den Transrapid und den Problembären Bruno nach. Ob das nun als Huldigung oder Seitenhieb zu verstehen sei, bleibe „Ansichtssache“, sagte Krause später. Erstaunlich echt sah er jedenfalls aus, knapp zwei Stunden habe er für das Kostüm in der Maske gesessen. Nur das „R“ wollte bei Krause noch nicht so geschmeidig rollen wie bei seinem Vorbild.

Dietl bemühte sich bei ihrer Rede hingingen sichtlich, den sprachlichen Duktus ihrer Kostüm-Patin nachzuahmen, sie begrüßte ihre Kollegen mit „Herr Dr. Stoiber und Herr Dr. Vogel“.

Fehlte nur noch Kristina Frank, die mit deutlich angegrautem Haar auf die Bühne kam. „Fasching mit euch verleiht Flügel“, sagte sie. So sei es nur folgerichtig, dass sie Hans-Jochen Vogel mimte. Den Vater der Münchner U-Bahn, der Fußgängerzone und der Olympischen Spiele von 1972. Klar, dass da auch das olympische Maskottchen, der Dackel Waldi, nicht fehlen durfte.

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