Der Rausch der Geschwindigkeit ist für viele Menschen eine Leidenschaft. Eine Passion, die in Deutschland auch ausgelebt werden kann. Denn nach wie vor gibt es kein Tempolimit auf Autobahnen.
In München scheint das Faible für Sportwagen besonders ausgeprägt zu sein. Das zeigt eine Auswertung des Statistischen Amtes der Stadt über den Kraftfahrzeug-Bestand. So waren zum 31. August 2023 mehr als 5100 Pkw angemeldet, deren Höchstgeschwindigkeit über 300 Stundenkilometer beträgt, die meisten davon in Bogenhausen. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch knapp 2000.
Auch die Anzahl der Autos, deren Maximal-Tempo zwischen 250 und 299 liegt, ist in dem Zeitraum stark gewachsen: von 35 221 auf 66 007. Eigenartig: Viele dieser „Rennsemmeln“ sind als Firmenwagen angemeldet. Bei den megaschnellen Modellen über 300 Kilometer werden laut der Statistik 1516 gewerblich genutzt, bei jenen, die zwischen 250 und 299 auf den Tacho bringen, sind es 28 755. Überhaupt bleibt München trotz der viel propagierten Verkehrswende eine Autostadt par excellence. Der Gesamtbestand der Pkw ist im vergangenen Jahrzehnt um fast 100 000 Fahrzeuge gestiegen – auf knapp 766 000.
Bei schnellen Motorrädern gibt es ebenfalls einen Boom wenn auch auf zahlenmäßig niedrigerem Niveau. So weisen 504 „Maschinen“ eine Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern oder mehr aus. Im Jahr 2013 waren es erst rund 60. Beliebteste Hersteller bei den superschnellen Motorrädern sind BMW und Augusta.
Der mit Abstand am häufigsten gefahrene Sportwagen (über 300 km/h) im Privatbestand ist der Porsche 911. Insgesamt 1249 dieser Modelle sind in München angemeldet, außerdem zum Beispiel auch 349 Wagen des italienischen Sportwagenherstellers Ferrari. Das Statistische Amt hat die angemeldeten Flitzer sogar nach der Altersklasse der Autofahrer differenziert. Demnach sind 1173 Halter, deren Pkw schneller als 300 km/h fährt, zwischen 50 und 59 Jahre alt – der bei Weitem größe Anteil. 116 Rennwagenbesitzer sind wiederum noch keine 30 Jahre alt, 333 bereits älter als 70.
Eine weitere Erkenntnis: 393 der 3592 privat genutzten, superschnellen Autos sind auf Frauen angemeldet. KLAUS VICK