Das Vordrängeln hat Thomas Unger schon richtig gut drauf. „Lasst’s mich amal vor“, ruft das Söder-Double und stellt sich für unseren Fotografen breit grinsend in die Mitte der Schauspielerriege – bis die Paulaner-Pressesprecherin den Landesvater zurückpfeift. Denn bei der Pressekonferenz zum Singspiel am Nockherberg (Mittwoch, 28. Februar, ab 19 Uhr live im BR) stehen zwei Frauen im Mittelpunkt. Da ist zum einen Judith Toth, die erstmals Michaela Kaniber darstellt – und sich gleich zum bereitgestellten Schmalzgebäck setzt: „Schaut’s, was ich vorbereitet hab!“, sagt sie, ganz im Idiom der Landwirtschafts- und Ernährungsministerin. Kein Zufall: Die 42-Jährige stammt aus Ruhpolding, die CSU-Frau aus dem nahe gelegenen Reichenhall. Viel zu ihrer Rolle will Toth nicht sagen, „das könnte Rückschlüsse auf die Rahmenhandlung geben, das hängt alles zusammen“.
Und das Singspiel-Thema will Paulaner traditionsgemäß noch geheimhalten. Ob die denn eher sympathisch rüberkommt oder abgründig, wird Toth gefragt. „Das eine muss das andere nicht ausschließen.“ Dass die Bauern heuer ihren Platz im Stück bekommen, darf man aber als gesichert annehmen.
Etwas gesprächiger ist Stefan Murr, der auch heuer wieder Hubert Aiwanger darstellt, also besonders im Rampenlicht stehen wird – denn der Vize-Ministerpräsident hat im vergangenen Jahr die Populismus-Zügel schießen lassen. „Das schlägt sich natürlich nieder“, sagt Murr. Er findet: „Es ist wichtig, dass einem bei so einer Figur auch mal das Lachen im Halse stecken bleibt.“
Man darf also annehmen, dass der Wirtschaftsminister heuer sehr intensiv sein Fett wegbekommen wird. So würde Murr es nicht sagen, der Tölzer spricht von „wohltuenden Watschen, um jemandem den Kopf zurechtzurücken“. Und er kündigt an: „Der Aiwanger hat von Komponist Tobi Weber ein super Lied auf den Leib geschrieben bekommen – wobei er selbst das vielleicht nicht so sehen wird.“ Jedenfalls sei klar: „Aiwanger hat auf der Bühne keine Freunde.“
Auf dieser Bühne stehen wieder lieb gewonnene Charaktere: Olaf Scholz wird abermals von Schauspielerin Nikola Norgauer dargestellt. Mit Christian Pfeil (Christian Lindner), David Zimmerschied (Friedrich Merz) und Thomas Limpinsel (Robert Habeck) sind Lacher garantiert. Und auch Sina Reiß und Gerhard Wittmann sind als Katharina Schulze und OB Dieter Reiter nicht mehr vom Singspiel wegzudenken.
Thomas Unger freut sich auf seinen zweiten Einsatz als Ministerpräsident. Er gibt zu Protokoll: Der Landesvater halte sich auf der Bühne nach wie vor für unantastbar. „Aber es gibt Situationen – da zeigen sich seine Horrorvisionen.“ An manchen Stellen werde es „richtig hysterisch“. Schon in der ersten Szene des Stücks zeige sich: „Sie können nicht ohneeinander, aber sie können sich auch nicht ausstehen.“
Alles wie im richtigen Leben also – Moment: Da fehlt doch noch die zweite Neue. Natalie Hünig wird auf der Bühne nicht als Politikerin auftreten. Sie ist ein Wesen. „Mir gehört der Laden gewissermaßen – ich halte ihn zusammen“, orakelt sie. „Und ich darf in verschiedenen Zungen sprechen – in Dialekten und Akzenten.“ Am Ende ist sie Volkes Stimme? In einer Zeit der Großdemonstrationen – ob mit oder ohne Traktor – spielt die auf dem Nockherberg womöglich wirklich die wichtigste Rolle.