Museum streicht Rentner-Rabatt

von Redaktion

VON DANIELA POHL UND JULIUS SEIBERT

Diese Nachricht hat Günter M. den Besuch im Deutschen Museum gründlich vermiest: Die Kulturstätte an der Isar bietet keinen ermäßigten Eintrittspreis mehr für Rentner an. „Eine Unverschämtheit!“, schäumt der Senior. „Schade, weil viele Rentner wirklich wenig Geld in der Tasche haben“, sagen auch Anita (70) und Manfred Müller (73), die gerade auf dem Weg ins Museum sind.

Museen, Theater, Bäder: Rabatte für Rentner sind in vielen Kultur- und Freizeiteinrichtungen an der Tagesordnung (s. Kasten). Meist wird die Ermäßigung am Alter festgemacht. So hat man das auch früher beim Deutschen Museum gehandhabt. Doch diese „pauschale Ermäßigung für Seniorinnen und Senioren“ sei vergangenen Mai aufgehoben worden, teilt Museumssprecherin Sabine Pelgjer mit. Jetzt steht die Bedürftigkeit im Fokus.

„Gerade in München gibt es sehr viele wohlhabende ältere Menschen, die sich die Eintrittspreise bei uns durchaus leisten können. Deshalb finden wir diese pauschalen Ermäßigungen gegenüber anderen Besucherinnen und Besuchern – zum Beispiel gegenüber alleinerziehenden Müttern mit geringem Einkommen, Menschen mit Mindestlohn oder Beziehern von Arbeitslosengeld – als ungerecht, weil das Alter an und für sich nichts über die finanziellen Möglichkeiten unserer Besucherinnen und Besucher aussagt“, führt Pelgjer aus. Neu auch: Schwerbehinderte Kinder und Jugendliche haben jetzt freien Eintritt.

Menschen mit geringem Einkommen würden aber berücksichtigt, betont Pelgjer: Mit dem München-Pass könne man das Deutsche Museum, das Verkehrszentrum und die Flugwerft Schleißheim zu ermäßigten Preisen besuchen. Im Verkehrszentrum müssen Rentner jetzt acht Euro regulär zahlen; fünf Euro waren es vor der Anpassung.

Den München-Pass können zum Beispiel Senioren beantragen, die Grundsicherung im Alter beziehen. Mit dem Pass erhält man Rabatte bei Schwimmbädern und in Museen, aber zum Beispiel auch 50 Prozent Preisnachlass bei Kursgebühren der Volkshochschule.

Elisabeth Robles-Salgado, die stellvertretende Vorsitzende des Münchner Seniorenbeirats, sieht die Neuregelung kritisch. „Der Eintrittspreis von 15 Euro schreckt ältere Menschen, die wenig Geld haben, von einem Museumsbesuch ab. Viele sind gerade so an der Grenze – sie haben ein paar Euro zu viel für den München-Pass, aber zu wenig, um am kulturellen Leben zu regulären Preisen teilnehmen zu können. Das ist schade, weil ein Museumsbesuch nicht nur den Geist anregt, sondern auch dazu animiert, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.“

Ihr Vorschlag: ermäßigte Eintrittspreise unter der Woche; in Stoßzeiten, zum Beispiel am Wochenende, könnte der reguläre Preis gelten. „Das wäre ein guter Kompromiss.“

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