„Wir sind ziemlich angefressen“

von Redaktion

Münchner Wirte klagen über massives Ungezieferproblem – Stadtverwaltung sieht sich bisher nicht in Verantwortung

München hat ein massives Ungezieferproblem. Bemerkbar macht sich das vor allem in der Gastroszene – zum Leidwesen zahlreicher Wirte. „Es wird immer schlimmer“, klagt Wiesn-Wirt Christian Schottenhamel. Vielerorts wuselten Mäuse und Ratten in und um Restaurants. Mit dem Kammerjäger allein bekommen die Gastronomen die Masse an Nagern längst nicht mehr in den Griff. „Jeder Wirt in München hat schon einen Schädlingsbekämpfer im Betrieb“, betont Schottenhamel, der auch das Wirtshaus am Nockherberg betreibt. Mit mäßigem Erfolg.

Unterstützung erhoffen sich die Wirte daher schon seit geraumer Zeit von der Stadtverwaltung. Seit Monaten beschäftigt sich der Bayerische Gaststättenverband Dehoga bereits mit dem Ungezieferproblem in München, berichtet Dehoga-Landeschef Thomas Geppert. Immer wieder sei man in regem Austausch mit dem MVV, dem Abfallwirtschaftsbetrieb und den städtischen Referaten für Gesundheit und Bau. Ohne Erfolg. „Wir sind mittlerweile ziemlich angefressen“, schimpft Christian Schottenhammel.

Berechtigt, findet die Mittelstandsunion München. Die Christsozialen forderten Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) daher jüngst schriftlich dazu auf, die Bekämpfung der Nager endlich in städtische Hand zu nehmen. „Die Stadtverwaltung muss ihr Engagement in Sachen Schädlingsbekämpfung deutlich erhöhen“, heißt es in dem Schreiben der CSU. Und weiter: „Wir dürfen unsere Wirte nicht alleine lassen.“

Für die Münchner Gastronmie fühlt sich der langersehnte Zuspruch aus der Politik wie eine Erlösung an. Denn neben der finanziellen Belastung, die ein privat beauftragter Kammerjäger so mit sich bringt, sei die riesige Nagerpopulation vor allem eins: geschäftsschädigend. „Bei Kontrollen huscht in einigen Betrieben trotz allen Vorkehrungen immer mal wieder eine Maus über den Küchenboden“, berichtet Schottenhammel. Dafür bekomme der Wirt dann gleich Post vom Staatsanwalt. „Es muss also langsam eine gemeinschaftliche Lösung her“, fordert er.

Schuld an der Ratten- und Mäuseplage seien schließlich nicht die Gaststätten. „Der Befall kommt aus dem öffentlichen Raum“, ist sich der Wiesenwirt sicher. Diese Auffassung teilen auch Dehoga und CSU. Vor allem der Münchner Untergrund mitsamt den U- und S-Bahn-Röhren sowie „die weit verzweigte Kanalisation“ biete einen idealen Lebensraum für Mäuse und Ratten und somit auch für Krankheitserreger.

Besonders schlimm gehe es an der Schützenstraße in Richtung Stachus zu, erzählt Schottenhammel. „Die Baustellen, das milde Wetter und der viele Müll tragen dort maßgeblich zum Ungezieferproblem bei“, sagt er. Gänzlich rausnehmen will sich der Wirt aber nicht: „Natürlich gibt schwarze Schafe in der Gastro, aber von denen distanzieren wir uns.“ Der Großteil der Wirte halte sich an die geltenden Hygieneregeln, betont auch Dehoga-Chef Thomas Geppert. Er sieht daher die Stadtverwaltung in der Pflicht, schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen. „Es ist falsch, das Problem auf die Gastronomie abzuwälzen.“ Konkret schweben der Dehoga dafür etwa eine engere Taktung der Mülltonnenleerung, größere Müllbehälter oder Fallen vor. Auch eine Bejagung von Mäusen soll möglich sein.

Oberbürgermeister Reiter äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu möglichen Maßnahmen. ANNA LIEBELT

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