Ganz behutsam, mit weißen Schutzhandschuhen bekleidet, trägt Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer den 3,25 Meter langen und 24 Kilo schweren großen Gold-Zeiger zum Alten Peter. Dann ziehen professionelle Industrie-Kletterer die beiden neuen Schmuckstücke langsam Stück für Stück nach oben. Die Montage der neuen Zeiger für die Turmuhr am Alten Peter ist ein aufwendiger Drahtseilakt.
Zeit is worn. Zur Erinnerung: Anfang November vergangenen Jahres hatte ein Sturm das untere Zifferblatt an der Westseite des Turms beschädigt, am 5. November um 4.54 Uhr hatten sich die Zeiger verkeilt. Da nur wenige Firmen auf solche Fälle spezialisiert sind, kamen die über 100 Jahre alten Zeiger zur Restaurierung nach Regensburg zur Georg Rauscher Turmuhrenfabrik. Das Unternehmen hat sich schon um etliche der 183 Turmuhren Münchens gekümmert, etwa um die der Ludwigskirche, der Theatinerkirche, der Frauenkirche oder auch um die Uhr am Isartor. Christine Rauscher von der Spezialfirma: „Das war auch eine besondere Herausforderung – denn die Uhr dort läuft ja rückwärts?“
Einen knapp fünfstelligen Betrag hat die Reparatur der Zeiger vom Alten Peter laut Baureferat gekostet, gestern früh kamen die Zeiger endlich wieder an ihren ursprünglichen Platz. „Es hat etwas länger gedauert als erhofft, da wir immer in enger Absprache mit dem Denkmalschutz waren, um die Zeiger weitgehend zu erhalten“, sagt Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer.
Ursprünglich hatte man gehofft, die Montage um den Jahreswechsel herum vornehmen zu können. In der Werkstatt war Präzisionsarbeit gefragt. „Es hat sich herausgestellt, dass die Unterkonstruktion nicht mehr so stabil war, daher haben wir sie mit einer Stahlplatte stabilisiert“, erklärt Christine Rauscher. Außerdem haben sie und ihre Kollegen die Befestigung des Zeigers erneuert und die Zeiger neu lackiert und vergoldet. Und so erstrahlen sie jetzt wieder in neuem Glanz. Rauscher: „Damit die Zeiger nicht gleich wieder beim Hochziehen an der Turmwand Kratzer abbekommen oder Schaden nehmen, haben sie spezielle Profis an Seilen einzeln hochgezogen – zum Teil noch in Schutzverpackung.“ Denn auch der kleinere Zeiger ist kein Leichtgewicht: Er misst 2,75 Meter und bringt 14 Kilo auf die Waage.
Aber das Wetter meint es am Dienstagmorgen gut mit den Monteuren, es weht kaum Wind. Oben angekommen, werden die Zeiger noch neu ausbalanciert – sie wiegen jetzt mehr als zuvor und sie sollen ja schließlich sauber laufen. Nach etwa einer Stunde sind sie montiert. Allen, die unten ausharren und nach oben starren, fällt ein Stein vom Herzen. „Jetzt hoffen wir, dass die Uhr wieder weitere 20 oder 30 Jahre reibungslos läuft“, sagt Rauscher.