„Biertrinken habe ich bei 1860 gelernt.“ Das erzählte der frühere Löwenspieler Erich Beer 1984 bei einer Telefonaktion unserer Zeitung. Die Schlagzeile ist inzwischen zum Kultzitat avanciert. Vor Kurzem druckte der Shop des TSV 1860 München den Spruch auf T-Shirts. Nach einem eigentlich kritischen Bericht über das „Biertrinker-Shirt“ gingen die Verkaufszahlen durch die Decke. Innerhalb kürzester Zeit war das Leiberl ausverkauft.
Auch das Biertrinken im Stadion wäre eigentlich eine leichte Sache. Doch es gibt damit offenbar Probleme. Beim Heimspiel gegen den Tabellenzweiten SSV Ulm am vergangenen Samstag (0:1) gab es in einigen Kiosken des Grünwalder Stadions zeitweise kein Bier mehr. Ein Fan berichtet unserer Zeitung zum Beispiel, schon ab der Halbzeit sei am Kiosk beim Block J kein Gerstensaft mehr verkauft worden. In den Social-Media-Kanälen wurde schnell ausgiebig darüber gelästert. Einerseits habe man die teuersten Eintrittspreise der Dritten Liga, andererseits schaffe man es nicht, über 90 Minuten Bier für alle auszuschenken. Die Löwen zahlen pro Saison rund 1,5 Millionen Euro Stadionmiete – und sind damit einsame Spitze im Drittliga-Vergleich.
Der Betreiber der Stadion-Gastronomie, Lorenz Stiftl, begründet den Ausfall gegenüber dem Online-Blog „Die blaue 24“ mit immer wieder stattfindenden Stromausfällen im Stadion. „Beim Spiel gegen SSV Ulm haben wir wieder live erleben müssen, wie marode das Stadion und seine technische Ausstattung sind.“ Deshalb überprüfe man vor Anpfiff immer alles. Doch diesmal habe es gleich bei zwei Leitungen technische Probleme gegeben. Sein Vorwurf: Die Einrichtung habe längst ihre Kapazität überschritten. „Bier war am Samstag ausreichend da. Das ärgert uns auch und tut uns für die Gäste leid.“
Auf Nachfrage gibt man sich beim TSV äußerst schmallippig. Pressesprecher Rainer Kmeth sagt nur einen Satz: „Das Flutlicht hat 90 Minuten gebrannt.“ Für weitere Fragen müsse man sich an die Hausherrin, die Stadt München, wenden. Beim Sportreferat teilt man mit, es seien bislang keine Beschwerden über technische Probleme während des letzten Heimspiels angekommen. Ansonsten spielt man den Ball zurück: „Alle Rechte und Pflichten gehen während der Nutzung des Stadions an den jeweiligen Verein über.“
Dass es immer wieder mal hakt, ist allerdings bekannt. Martin Scherbel, Vorsitzender der Freunde des Sechz’ger-Stadions, sagt unserer Zeitung: „Dass es Probleme mit dem Strom gibt – gerade in der Gastro –, ist nichts Neues. Die Stromversorgung macht seit Jahrzehnten Ärger. Wenn der Stiftl im Winter seinen Glühwein-Kocher anschmeißt, fliegt regelmäßig die Sicherung raus.“
Die Stadt München sucht übrigens nach einem neuen Pächter für die Gastronomie im Grünwalder Stadion. Dazu gehören neben dem VIP-Bereich auch die sieben Stadionkioske. Die Bewerbungsfrist endete am 23. Februar. Der neue Pächter soll laut Ausschreibung zum 1. Juli übernehmen. Möglich ist auch eine Unterverpachtung. Die Bewerber müssen „mindestens eine einschlägige Erfahrung bei der gastronomischen Versorgung in einem Fußballstadion mit einer Kapazität von mindestens 15 000 Zuschauern“ vorweisen können. Derzeit hat der eigentliche Pächter, die Paulaner Gruppe, die Bewirtschaftung an die Firma Stiftl abgegeben.