Es sind unruhige Zeiten: Im Internet werden Hass und Hetze immer lauter. Auf der Straße steigt die Zahl jugendlicher Straftäter, die auch nicht davor zurückschrecken, ein Messer zu zücken. Und parallel dazu setzen Betrüger auf immer perfidere Maschen, um die Bürger um ihr Erspartes zu bringen. Zu den Opfern gehören nicht mehr nur Senioren. Die Zahlen, die in dieser Woche präsentiert werden, zeigen: Justiz und Polizei sind stärker gefordert denn je. Letztere startet gleich zwei Aktionen, um die Bürger vor Trickbetrug zu warnen. Mit im Boot sind Apotheken in der ganzen Stadt.
Auf den ersten Blick erinnert das Geschenk an eine Packung Zigaretten. Doch die kleine Box, die Senioren derzeit in Apotheken bekommen, ist weitaus sinnvoller. Drin sind nämlich Taschentücher und drauf wichtige Tipps gegen Trickbetrug! Mit den Packerln wollen die Polizei und das Münchner Sicherheitsforum ältere Bürger auf die vielen Maschen aufmerksam machen, mit denen Kriminelle auf Beute aus sind. Der Schaden lag allein 2022 bei 8,08 Millionen Euro. Um dem perfiden Treiben entgegenzuwirken, hat die Polizei ein ganzes Maßnahmen-Paket geschnürt.
Dazu gehört auch ein spezielles Theaterstück, in welchem es um Schockanrufe, den Enkeltrick und falsche Polizisten geht. Vor zwei Jahren gab es bereits Warnhinweise auf Bäckertüten. Heuer werden eine Million Infokarten direkt an die Bürger verschickt, parallel gehen 9000 Taschentuch-Packungen an Senioren. „Es ist wichtig, die Menschen zu erreichen“, so Polizeipräsident Thomas Hampel beim Fototermin in der Internationalen Leopold Apotheke von Meriem Boumaiza. Kommunalreferentin Kristina Frank, die das Sicherheitsforum vertritt, gefallen die Botschaften: Legen Sie auf. Übergeben sie niemals Geld. Rufen Sie immer die Polizei. „Wir wollen den Menschen die Scheu nehmen“, sagt Frank. Wer gut informiert ist, so ihre Hoffnung, lässt sich vielleicht auch nicht so schnell überrumpeln. Dann, wenn der falsche Handwerker vor der Tür steht oder ein Trickbetrüger am Telefon ist.
Letzteres war bei einem Münchner im vergangenen Sommer der Fall: Der 81-Jährige hat 500 000 Euro an falsche Bankangestellte verloren. Besonders dreist: In dieser Woche haben ihn die Betrüger wieder angerufen. Um sein Geld zurückzubekommen, hieß es, müsse er Steuern zahlen. Der Senior glaubte diese Lügengeschichte und verlor so noch einmal 35 000 Euro.