Nichts geht mehr bei der Signa Prime, die einen Schuldenberg von rund 4,5 Milliarden Euro angehäuft hat. Nach Wochen der Verhandlungen ist nun klar, wie es mit René Benkos einstiger Edelsparte weitergeht: Der Sanierungsplan, über den am Montag in Wien abgestimmt wird, sieht einen Total-Ausverkauf vor. Dazu soll ein Treuhänder eingesetzt werden. Damit ist auch für Signas Luxus-Immobilien in München nun der Weg geebnet.
„Das gesamte verwertbare Vermögen soll zur Verwertung beziehungsweise Befriedigung der Gläubiger an eine Treuhänderin übergeben werden“, heißt es in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters Norbert Abel. „Verwertbares Vermögen“ ist dabei eine lange und imposante Liste von Prime-Schmuckstücken: Dazu gehört das KaDeWe in Berlin, der Elbtower in Hamburg, die Hauptwache in Frankfurt und das Goldene Quartier in Wien.
Von der krachenden Insolvenz der Signa-Sparte ist auch München mit dem Luxuskaufhaus Oberpollinger, der Alten Akademie, dem ehemaligen Kaut-Bullinger und dem historischen Hertie am Bahnhof betroffen. Für alle Objekte gilt nun: Sie sollen zu Geld gemacht werden, um den immensen Gläubigerforderungen nachkommen zu können. 30 Prozent davon, so der Plan, sollen in den nächsten zwei Jahren zusammengebracht werden.
Wobei der Ausverkauf schon begonnen hat. In Wien wird ein ganzes Prime-Paket feilgeboten, zu dem auch das Haus des Verfassungsgerichtshofs gehört. In München sollen die Verhandlungen zur Alten Akademie weit gediehen und der Vertrag für das Kaut-Bullinger-Haus, Signa nannte dieses Projekt Romy, schon unterschrieben sein. Verschiedenen Medienberichten zufolge hat die Unternehmensgruppe von Alfons Doblinger den Zuschlag bekommen. Auf eine Anfrage hat das Unternehmen bislang nicht reagiert.
Über den nun konkretisierten Sanierungsplan entscheiden die Gläubiger am 18. März. Dieser Tag ist wichtig für die Signa-Gruppe: Denn am Montag wird auch über den Sanierungsplan der Signa Development Selection (SDS) abgestimmt. Zum Besitz dieser Sparte gehören unter anderem die Flüggerhöfe in Hamburg und das Gries Village in Bozen.
In diesem Bereich des Imperiums beläuft sich die Summe der Forderungen auf 2,2 Milliarden Euro. Wie die „Financial Times“ berichtet, soll ein Teil der Gläubiger schwere Vorwürfe gegen Signa wegen „illegaler“ Transaktionen in Höhe von 600 Millionen Euro erheben. Nun sollen Untersuchungen folgen. Das Signa-Geschäftstreiben hat auch die Staatsanwaltschaft in München im Fokus. Inzwischen hat die Behörde bestätigt, wegen des Verdachts auf Geldwäsche zu ermitteln. Benkos Anwälte weisen die Vorwürfe als „haltlos“ zurück. NADJA HOFFMANN