Auf den ersten Blick sah es so aus, als wäre diese Nachricht gut für München: Gerade erst wurde bekannt, dass der italienische Fachhändler Cisalfa den insolventen Sport-Scheck kauft. Jetzt zeigt sich, was diese Übernahme bedeutet: Wie unsere Zeitung aus Mitarbeiterkreisen erfahren hat, lässt der neue Eigentümer den Münchner Flagship-Store untergehen. Die Hauptfiliale in der Fußgängerzone soll zum 15. Juni ersatzlos schließen. Den Angestellten wurde gekündigt. Sie stehen ohne Abfindung auf der Straße.
Dass es wirklich so schlimm kommt, konnten die Kollegen am Donnerstag noch immer nicht fassen. „Es hieß immer, München ist safe.“ Also sicher. Nun müssen alle erst einmal verkraften, dass es nicht weitergeht, fügt ein Angestellter an, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte. Oder auch nicht darf. Die Mitarbeiter seien von der Unternehmensführung angehalten worden, ja nichts nach außen dringen zu lassen.
Trotzdem verrät ein weiterer Angestellter, dass die Stimmung unter den Kollegen am Donnerstag extrem gedrückt war. „Heute sind noch alle gekommen.“ Ob das auch in den nächsten Wochen so sein wird, bleibt die Frage. Er sagt: Die Filiale schließt Mitte Juni, die Verträge laufen zum 30. Juni aus. Teilweise arbeiten Kollegen schon seit Jahrzehnten für das Traditionsgeschäft. Das abrupte Aus schockiert alle.
Offiziell bestätigt hat Sport-Scheck diese Pläne freilich nicht: Unsere Anfrage blieb am Donnerstag unbeantwortet. Was verwundert – tags zuvor hatte sich das Unternehmen noch so ausgedrückt: Cisalfa Sport übernehme als neuer Eigentümer den Geschäftsbetrieb „unter Weiterführung der Marke SportScheck und des Standorts München als Headquarter“. Gemeint könnte sein, dass die Firmenzentrale weiter in Obersendling bleibt.
Dort und in 34 Filialen in Deutschland arbeiten 1500 Angestellte. Für sie gab es im November 2023 die traurige Nachricht, dass Sport-Scheck als Tochterunternehmen der Signa-Holding mit in die Insolvenz rutscht. René Benkos Retail-Sparte hatte den Sportartikelhändler 2019 geschluckt.
Ein Haus mit großer Tradition: Schon 1991 wurde die Firma von der Otto-Gruppe übernommen. Seinen Anfang nahm alles 1946, als Otto Scheck aus Militärbeständen eine erste Kollektion für Winterkleidung schneiderte. Das Münchner Stammhaus, das jahrzehntelang an der Sendlinger Straße beheimatet war, schrieb Geschichte. Im Jahr 2013 zog Sport-Scheck dann an die Neuhauser Straße 21. Dort, in der Fußgängerzone, endet nun wohl ein Stück Stadtgeschichte.