E-Bikes auf der Überholspur

von Redaktion

Bei Münchner Händlern laufen die elektrischen den normalen Rädern den Rang ab

VON JULIUS SEIBERT

Hochspannung, könnt man sagen. Mit dem Frühling beginnt die Radl-Saison – und für viele ist das eine wahrhaft elektrisierende Sache. Denn immer mehr Pedalritter setzen nicht bloß auf ihre Muskelkraft, sondern auf ein E-Bike. Tatsache ist: Das „Pedelec“, wie die Fachleute sagen, läuft seinem klassischen Vorgänger langsam, aber sicher den Rang ab. Burkhard Stork, Chef des Zweirad-Industrie-Verbands, berichtete zuletzt, Elektro-Fahrräder seien „ein wichtiger Treiber“ der Branche. Ganz konkret: Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit erstmals mehr E-Fahrräder verkauft als herkömmliche. Die Flitzer seien „das absolut dominierende Elektrofahrzeug“, sagte Stork.

Wollen Sie auch in dieser Richtung aufsatteln? Dann müssen Sie auf alle Fälle schon mal ein bisschen Kleingeld zusammenkratzen, denn für ein Pedelec ist man gern mal mit 2000 Euro oder mehr dabei. Herkömmliche Räder kosten in der Regel weniger als die Hälfte, manchmal sogar auch nur ein Viertel. Woher kommt der große Unterschied? Warum sind E-Bikes eigentlich so teuer? Wir haben nachgefragt.

Da wäre zum einen das Fachwissen, das ein Hersteller braucht. Denn neue E-Bike-Modelle mit ihrer hoch technisierten Antriebssteuerung und Bremsmotorik benötigen das Know-how von Spezialisten – in der Regel kommen die aus der Automobil-Branche. Und die Bauteile selber sind auch teuer. Leistungsstarke Motoren können zum Beispiel schnell mal mehr als 600 Euro kosten.

Und damit ist noch längst nicht Schluss, wie uns Thomas Janowski (43) sagt. Er muss es wissen: Als Mitgründer des Münchner Pedelec-Herstellers Ridetronic kennt er alle Details rund um die Elektro-Flitzer. Über 3000 Euro muss man hinlegen, wenn man eines seiner leichten E-Bikes kaufen will.

Dieser Preis hat seinen Grund. Janowski verweist auf die Qualität der Bauteile – und sagt: „Die Elektronik wird in Deutschland gefertigt.“ Akku, Sensorik und beispielsweise das Display machen mit rund 700 Euro einen happigen Teil des Geldes aus, das die Firma selber in den Bau des Produkts stecken muss. Der selbst entwickelte Antrieb arbeitet mit einem Porsche-Motor für rund 400 Euro. Karosserie samt Rahmen, Gabel, Sattel und Lenker machen weitere 450 Euro aus. Dazu kommen noch Bremsen und das Schaltsystem für 300 Euro, erklärt Janowski. Felgen, Speichen und Reifen kommen vergleichsweise günstig daher – mit knapp 30 Euro pro Rad. Schon die einzelnen Bestandteile kosten also eine ordentliche Summe – und dann muss ja auch noch ein Radl draus werden…

Das alles zusammen führt dann zu den Zahlen, auf die der Branchenverband ZIV jüngst verwies. Demnach kostete das durchschnittliche E-Bike im vergangenen Jahr 2950 Euro – das sind 150 Euro teurer als 2022. Interessant: Im gleichen Zeitraum ist der Preis für herkömmliche Radl sogar leicht gesunken – von 550 auf 470 Euro.

Übrigens: Ähnlich wie beim Auto gibt es auch beim Fahrrad mittlerweile verschiedene Leasing-Angebote – Stichwort Job-Rad. Bei Ridetronic werden so rund 30 Prozent der verkauften E-Bikes an den Mann gebracht. Arbeitnehmer können das Radl dabei von ihrem monatlichen Bruttogehalt abrechnen und haben deshalb Steuervorteile. Dabei ist aber wichtig zu beachten: Mit der Verminderung des Bruttogehaltes fallen die Sozialabgaben geringer aus – das kann sich auf die Rente auswirken. Deswegen sollte man davor prüfen (oder prüfen lassen), ob sich ein Leasing-Vertrag wirklich auszahlt.

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