Mehr Romantik geht wahrscheinlich nicht. Jedenfalls nicht in München. Auf dem Nymphenburger Schlosskanal hat die Gondel-Saison begonnen: Jetzt kann sich jeder vor der bayerischen Bilderbuch-Kulisse übers Wasser schippern lassen und dabei ein wenig Venedig-Gefühl aufkommen lassen. Das ist nicht nur – aber in besonders vielen Fällen – eine Sache für Verliebte. Am Ruder stehen Maximilian Koch oder sein Sohn. Beide sind sie Schüler von Altgondoliere Ingo Stahl, der bis 2018 als europaweit ältester seines Berufs in Nymphenburg tätig war. Koch arbeitet außerhalb der Saison und bei Regen als Versicherungsvermittler und war früher mehrfacher Europa- und Weltmeister als Regattasegler.
Vor Jahren entdeckte er dann seine Liebe zu venezianischen Gondeln und der eleganten Rudertechnik, seinen Sohn begeisterte er gleich mit. Nach der Ausbildung bei Stahl haben sich die beiden Erfahrungen auf heimischen Gewässern sowie auf den Kanälen Venedigs erarbeitet.
Koch ist nun nicht einfach bloß Chauffeur auf dem Wasser – er ist auch Zeuge großer Glücksgeschichten. „In der Gondel werden oft Heiratsanträge gemacht“, erzählt er. Allein in der vergangenen Saison waren es 28, in den Jahren davor eher noch mehr. Vermutlich ist Kochs Gondel in dieser Kategorie stadtweit führend.
Weg von der Statistik, zurück zum Gefühl: Koch spürt die Freude seiner Passagiere, sieht die Augen blitzen im magischen Moment. Er erzählt: „Am meisten hat mich berührt, als eine Frau ihrem Partner einen Heiratsantrag gemacht hat. Sie überreichte ihm einen Brief – und nachdem der Mann ihn gelesen hatte, ging sie in der Gondel vor ihm auf die Knie und bat um seine Hand. Der Mann hat geweint… und ich auch fast.“
Gerne lassen sich auch Paare zur Hochzeit über den Kanal fahren, oft mit Prosecco und dem Gesang des Tenors Giuseppe Del Duca. Wobei auch ohne die Unterstützung des Romantik-Profis viel auf dem Boot gesungen wird. Gondoliere Koch kennt die Favoriten seiner Gäste: „Meist sind es italienische Lieder.“
GABRIELE WINTER