Luise Kinseher liebt ihren Gustl. Die einstige Mama Bavaria auf dem Nockherberg dürfte wohl ein kräftiges „Mamma mia!“ ausstoßen, wenn sie diese Geschichte liest: Das neue Tierschutzgesetz könnte in Zukunft den Dackeln den Garaus machen. Denn das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter Leitung von Cem Özdemir will verstärkt gegen Qualzucht vorgehen. Ob die Volksschauspieler-Legende Walter Sedlmayr (1926–1990) da noch so herzlich lachen würde wie auf dem Foto rechts?
Dabei ist gerade der Dackel oder Dachshund das tierischste Symbol (mal vom Löwen abgesehen) für München und Bayern, und das spätestens seit den Olympischen Sommerspielen 1972 in der bayerischen Landeshauptstadt, wie Monika Hoffmann weiß. Sie ist Vorstand der Sektion München im Bayerischen Dachshundklub. Der Dackel und Bayern gehören einfach zusammen, das zeige schon ein Blick auf den Charakter von Mensch und Tier: „Der Dachshund wurde und wird noch immer sehr viel für die Jagd eingesetzt. Er hat ein einzigartiges Aussehen, ist sehr selbstständig und, man muss es leider sagen, auch dickköpfig.“
Hoffmann hält ein verändertes Tierschutzgesetz nur dann für sinnvoll, wenn man klar sehen kann, welche Zamperl gesundheitlich gefährdet sind. Wenn man an Hunden feststellen kann, dass sie Schwierigkeiten haben oder mit Sicherheit bekommen werden, dann sollten sie nicht zur Zucht zugelassen werden. Aber sonst?
„Mein zwölfjähriger Dackel ist kompakter, aber mag keine Treppen steigen. Der bald Achtjährige hingegen ist sehr lang und ein rechter Schlaks, hat aber keinerlei Probleme“, sagt sie als Beispiel. „Wie soll man ein gutes V#erhältnis zwischen Rückenlänge und Gewicht definieren, wo doch jeder Hund unterschiedlich ist?“ Wie beim Menschen auch: Der eine ist rank und schlank, klagt aber über ständige Rückenschmerzen, der Gewichtigere tut nix und bleibt verschont.
Die Gesetzesvorlage, findet Hoffmann, sei ohnehin „viel zu grob formuliert, daher gibt es so viel Aufregung darum gerade von den Hundezuchtverbänden“.
Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) hält die Vorschrift grundsätzlich zwar für sinnvoll – aber findet sie zum Jaulen schwammig. So sei der Punkt „Anomalien des Skelettsystems“ nicht konkret. Wir stellen uns einen Dackel vor: ewig langer Körper, Stummelbeine und ein großer Kopf. Das schnuppert nach Verbot, oder? Der VDH überspitzt: Es läge nahe, den Wolf als „Urvater des Hundes“ zum Prototyp zu machen: „Dann wird das gesetzlich festgelegte Zuchtverbot alle gesunden Hunde treffen, die vom Wolfstyp in ihrem Erscheinungsbild abweichen“, so VDH-Präsident Peter Friedrich.
Weitere kurzbeinige Zamperl wie Beagle oder Jack-Russell-Terrier könnten ebenfalls unters Zuchtverbot fallen.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gibt sich ein bisserl bissig: Es ginge nicht um ein Pauschal-Zuchtverbot für einige Rassen, sondern man wolle eine Liste mit möglichen Symptomen der Qualzucht ergänzen.