Die V2-Rakete wurde auch Aggregat 4 genannt. Tausende dieser Raketen gingen im Zweiten Weltkrieg auf London und Antwerpen nieder. Ein Exemplar dieser Nazi-Waffe ist im Deutschen Museum ausgestellt. Das 14 Meter lange Exponat wird derzeit aufwendig untersucht. Ein ganzes Arsenal an Geräten wurde dafür in der Luft- und Raumfahrthalle aufgebaut. Spezielle Kameras, Lampen und Computer sollen dabei helfen, bisher ungeklärte Fragen rund um die Terror-Waffe zu enträtseln.
In München steht übrigens die einzige in Deutschland ausgestellte, vollständige Originalrakete dieser Art – sie hat während der Teil-Sanierung des Deutschen Museums zwischen 2015 und 2022 gelitten. Da die V2 zu groß war, um sie während der Bauarbeiten aus dem Gebäude zu holen, stand die Rakete fast sieben Jahre lang auf einer Baustelle. Ein Wassereinbruch während der Sanierung führte zu Korrosionsspuren am Exponat – also Rost.
„Diese Korrosion müssen wir stoppen“, sagt Andreas Hempfer, Kurator für Historische Luftfahrt und Raumfahrt. „Wie das am besten geht, ohne zu viel von der Originalsubstanz zu verlieren, versuchen wir gerade in einem Forschungsprojekt zu klären.“ Und: „Die Rakete war schon in schlechtem Zustand, als sie 1962 ins Deutsche Museum kam.“ Anna Dohnal, die in ihrem Master-Projekt den Zustand der V2 als Voraussetzung für ein Restaurierungskonzept klären soll, ergänzt: „Die Konstruktion der Rakete war nicht auf Dauerhaftigkeit ausgelegt. Das merkt man dem Objekt jetzt an.“
Momentan kartiert Dohnal die Schäden, die die V2 aufweist. Dabei arbeitet die Wissenschaftlerin unter ungewöhnlichen Bedingungen, wie sie selbst sagt: „Die Rakete befindet sich in der Mitte eines Treppenhauses. Das macht die Arbeit ziemlich schwierig – man kommt nämlich nicht von allen Seiten an die V2 heran.“ Dass die Nazi-Waffe von einer Wendeltreppe umgeben ist, ist kein Zufall. Die Museumsmacher wollten der Rakete aus der Hitler-Zeit keinen allzu großen Auftritt geben.
Bei der Untersuchung der V2 hilft seit Kurzem auch die TU München. Laut Andreas Hempfer habe man noch viele Fragen: „Ist das Grün, das man unter der jetzigen weißen Lackierung sehen kann, die ursprüngliche Lackierung – oder hatte sie ursprünglich einen Tarnanstrich, der dann in den USA übermalt wurde? Oder ist sie später im Museum umlackiert worden?“ Deshalb wird die Rakete jetzt von drei Forscherinnen vom TU-Lehrstuhl für Zerstörungsfreie Prüfung mit der Methode der Thermografie untersucht.
Isabelle Stüwe von der TU erklärt das Verfahren: „Bei der Thermografie wird elektromagnetische Strahlung im Infrarotbereich, die vom Objekt reflektiert wird, untersucht.“ Mit diesem Verfahren werden Bilder am Computer generiert, mit denen man quasi unter die Oberfläche der jetzigen Lackierung schauen kann. Außerdem will das Forscher-Team herausfinden, ob die Bestandteile der Rakete noch bei der Produktion zusammengefügt wurden und daher eine einheitliche „Seriennummer“ tragen – oder ob das Objekt später aus Originalteilen montiert wurde. Dies sei entscheidend für die Restaurierung.
„Je mehr Originalsubstanz wir finden, desto mehr von der Substanz wollen und müssen wir erhalten“, erklärt Marisa Pamplona, Restaurierungs-Spezialistin des Deutschen Museums. Schließlich soll die V2-Rakete weiterhin in München stehen bleiben – als ein mächtiges Mahnmal an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges.